Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht über den Roman-Klassiker «Der Mann ohne Eigenschaften»

Shownotes

Link zum Seminar: https://studymusil.com/welt/

⭐️ Weltwoche daily ohne externe Video-Werbung geniessen? Werden Sie Abonnent! ▶️ https://weltwoche.de/abonnemente/

«Der Mann ohne Eigenschaften»: Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht über einen Roman-Klassiker, der unsere heutige Zeit fast unheimlich spiegelt und vorwegnimmt

Kostenlos informiert: 📩 Newsletter: https://weltwoche.de/newsletter/ 🌐 Weltwoche App: http://tosto.re/weltwochedeutschland

Die Weltwoche: Das ist die andere Sicht! Unabhängig, kritisch, gut gelaunt. ▶️ Aktuelle Ausgabe: https://weltwoche.de/aktuelle-ausgabe/

🛒 Entdecken Sie den Weltwoche Shop mit exklusiven Artikeln, Büchern und Merchandise – bequem online bestellen: ▶️ https://weltwoche.ch/shop/

📲 Folgen Sie der Weltwoche:

Instagram: https://www.instagram.com/weltwoche/ Twitter/X: https://twitter.com/Weltwoche Facebook: https://www.facebook.com/weltwoche TikTok: https://www.tiktok.com/@weltwoche Telegram: https://t.me/Die_Weltwoche WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029VbB1UJ4FXUuXOFRuoE2A

💡 Werden Sie jetzt YouTube Mitglied: ▶️ https://www.youtube.com/channel/UCq-b0dwW97YRZWgSCikWQRA/join

Transkript anzeigen

00:00:06: Grüezi miteinander.

00:00:08: Ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag.

00:00:12: meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde.

00:00:14: aus Nah- und Fernhäute begrüße ich Sie zu einer wirklich sehr speziellen Sondersendung von Weltwoche Daily.

00:00:22: die andere Sicht unabhängig kritisch gut gelaunt und immer auch etwas provokativ in Zeitgeistfragen unterwegs wird zeichnen auf mit Ich würde sagen, den tagübertauernden Erkenntnissen in der ersten Hälfte des April im Jahre.

00:00:45: Aber falls Sie diese Sendung auch ein bisschen später mal sich zu Gemüte führen sollten dann glaube ich können sie dranbleiben denn wir sprechen über unvergängliche Aktualitäten!

00:00:57: Ich freue mich sehr und das ist mir auch eine Ehre Heute zu begrüßen bei uns.

00:01:03: zum zweiten Mal, das letzte mal haben wir uns getroffen auf dem Campus der renommierten, ich sage der sagenumwobenen Stanford University.

00:01:14: Ich begrüße sehr herzlich den Hans Ulrich Gumbrecht emeritierter Professor der Stanford University Literaturwissenschaftler und einer der bekanntesten intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

00:01:27: Und das Thema, dass wir uns vorgenommen haben, hat es in sich Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften.

00:01:36: erstes und zweites Buch also ein umfangreiches Romanwerk unverlendet einen der ganz großen Brocken Kulturgeschichte.

00:01:49: Und wir reden darüber, weil Professor Gumbrecht dazu mit einem Kollegen dem Russell Berman auch von der Stanford University demnächst ein Seminar durchführen wird und das ist ja hoch interessant.

00:02:05: wie kommen diese dekorierten gelehrten dazu sich ausgerechnet auseinanderzusetzen mit diesem Roman des zwanzigsten Jahrhunderts und das wäre danach gleich meine allererste Frage.

00:02:16: Herzlich willkommen, Professor Gumprecht!

00:02:18: Ja Sie leeren in Stanford im Silicon Valley.

00:02:22: sie sind umgeben von Tech-Milliardären und KI Gurus.

00:02:28: was sucht ein Romanist wie sie ausgerechnet in einem unverländeten Wiener Roman des Zwanzigste Jahrhunderte der ja zwanziger und dreißigere Jahre des letzten Jahrhunderts.

00:02:43: Schön, dass Sie in der Sendung sind!

00:02:45: Ja also das ist eine Frage auf die man natürlich eine Stunde oder mehrere Stunden lang antworten könnte aber kompakt gefasst.

00:02:54: Also der Mann ohne Eigenschaft von Robert Musil wie sie gesagt haben gehört zu den Geheimtipps.

00:03:00: Es gibt James Joyce es gibt Marcel Proustes es gibt Thomas Mann sozusagen hochgeirrt und hoch angesehene Autoren.

00:03:10: Musil ist der Geheimtipp in dem Sinn, dass es noch nie einen Moment gegeben hat wo dieses Buch gezündet hat.

00:03:17: Als das erste Teil des fragment gebliebenen Buchs, neunzehnunddreißig publiziert wurde waren die Rezensionen der Spezialisten sehr positiv aber das Buch hatte nicht so eingeschlagen, dass Musil jeder davon hätte leben können Und ich glaube, dass heute der Moment ist.

00:03:35: Also nicht unbedingt im Jahr- und Frühjahr des Jahres.

00:03:40: Der Moment ist wo man dieses Buch auf eine neue Weise lesen kann und so lesen können das es zündet weil es mit einem bestimmten Verhältnis zu unserer Gegenwart steht.

00:03:51: und um nur anzudeuten in welche Richtung ich da gehen möchte.

00:03:56: Das ist die Zeitlichkeit die uns umgibt.

00:03:59: Die Zeitlichkeit dominierte die Zeitlichkeit, die das Zeitalter der Ideologien bestimmte als Musi zum ersten Mal erschienen.

00:04:06: In den Ebenen war die Zeitlichkeit des historischen Weltbilds, in dem man Fortschritte maß, in der man sozusagen auf Vollkommenheit heraus wollte.

00:04:17: Wir leben heute glaube ich in einer anderen Zeitlichkeit und in einer Zeitlichkeit wo Komplexität nebeneinander gestellt ist.

00:04:24: Und das meine ich, ist die Zeitlichkeit aus der Musil schon im frühen zwanzigsten Jahrhundert geschrieben hat.

00:04:30: Warum ihm das gelungen hat?

00:04:32: Gelungen ist weiß ich nicht aber das wäre sozusagen die Wette dass heute der Moment ist wo man diesen Roman in einer Synchronie mit unserer Gegenwart lesen

00:04:42: kann.

00:04:44: eine provokative Nachfrage.

00:04:46: Man sieht dieses Buch Bildungsbürgerlichen Haushalten, sofern noch vorhanden in den Regalen hat.

00:04:54: Aber den Eindruck wirklich durchgelesen haben es die Wenigsten?

00:04:59: Ist dieses Buch nicht auch ein Bluff der Bildungspursch, was sie?

00:05:05: oder wo liegt die zentrale Qualität für heute?

00:05:12: Es ist richtig dass das Buch, wenn bildungsbürgelischen Haushalten auf dem Regal steht und man sieht sofort am Rücken des Buchs, dass das Buch nicht gelesen worden ist.

00:05:23: Was heißt am Blöff?

00:05:24: Also es kann natürlich sein Herr Köppel, dass Sie wenn sie das Buch gelesen haben oder lesen werden von dem Buch nicht so begeistert sein werden wie ich aber ich glaube eben wie gesagt, dass heute ein Moment ist wo man dieses Buch neu lesen kann.

00:05:38: Dass heute ein moment ist wo die Tatsache dass ein Plot, ein Inhalt eine Kurve auf die das Buch hinausläuft.

00:05:46: Ein Happy Ending oder ein Unhappy Ending fehlen akzeptabel geworden ist und es gehört ist daneben unter den großen Assen sozusagen der Literatur aus dem zwanzigsten Jahrhundert im Vergleich zu Joyce, im Vergleich zur Proust, im vergleich zu Gravity's Rainbow Ein Buch, was ich eigentlich Seite zu Seite wenn man sich die Zeit nimmt leicht lesen lässt und auch sehr oft witzige Unterhaltsam mit Passagen hat.

00:06:19: Sie haben den Namen schon angesprochen.

00:06:20: Thomas Mann, Kafka, Joyce Bruce das sind die Giganten der Literatur des modernen Romans.

00:06:29: Robert Musil ist daneben etwas ein Vielleicht doch auch Insider-Tipp.

00:06:35: Ist Ihrer Meinung nach Musil etwas ein Verkampter?

00:06:38: Gehörte er auf diesen Olymp, den wir eben erwähnt haben?

00:06:45: Der höchste Olymp, um das mal zu sagen ist für mich in der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts sind die Autoren, die keinen Nobelpreis gewonnen haben und das gilt ja auch für Joyce'n, das gilt hier auch für Marcel Proust.

00:06:55: also ich würde gerne sagen dass von der Qualität her gesehen Robert Musil in der deutschen Sprache dass Equivalent zu Proust in der französischen Sprache und zu Joyce in der englischen Sprach ist.

00:07:07: Und bekanntlich hat weder Joyce noch Marcel Proust jeden Nobelpreis bekommen, weil sie sozusagen ihrer Zeit vorausfahren.

00:07:15: Das ist in massiver Weise für Robert Musi der Fall.

00:07:21: Robert Musil vielleicht war überzeugt, er hätte diesen Roman beenden müssen.

00:07:25: Er hätte sozusagen einen Plot finden müssen und eine Handlung finden müssen die zu einem Ende führte.

00:07:30: aber vielleicht war sozusagen Musil in seinem Schreiben sich selbst voraus.

00:07:35: denn dass die Gestalten in diesem Roman immer komplexer werden zum Teil auch immer witziger werden immer interessanter werden ohne das eine Lösung eine endliche Lösung möglich ist Das scheint mir gerade die Syngronie zumindest für Intellektuelle zu unserer Gegenwart zu sein.

00:07:54: Wir befinden uns nicht in einer Gegenwart, wo man glaubt dass sozusagen handliche Lösungen noch brauchbar sind.

00:08:01: das war das zeitalterte Ideologien und man sich überzeugen könnte konnte dass die klassenlose Gesellschaft oder der Triumph der deutschen Rasse was immer im Vordergrund stehen sollte.

00:08:11: In einer solchen Gegenwart sind wir nicht!

00:08:13: Wir sind in einer gegenwahrt der Komplexitäten In der man verhandelt, aber in der man keine großen Ziele, keine großen Ideologien mehr hat.

00:08:24: Robert Musil schreibt im Österreich Ungarn – der zwanzigere Jahre des letzten Jahrhunderts – das ist eine Zeit, in der ja sehr viel zerfallen ist und in der Formen hohl geworden sind und er nennt dieses untergehende europäische Reich Kakanien.

00:08:43: Viel Völkerstaat vor dem Zerfall.

00:08:49: Was macht diese Örtlichkeit?

00:08:55: Was macht die aus, was ist so interessant an diesen Kakanien dass es die Auseinandersetzung heute lohnt.

00:09:04: Ja das Kakanion ist natürlich also eine entfernte Vergangenheit für uns die zwar chronologisch nicht soweit entfernt ist aber typologisch so wert entfernt wie das Mittelalter.

00:09:14: Es war, wie Sie sagen, dieses Vielvölkerreich was eigentlich nur zusammengehalten wurde durch die Tradition der Monarchie.

00:09:22: Durch die Traditions der Habsburg.

00:09:25: Aber es gab am Ende dieses viel Völkereiches, das ja mit dem Ende des Ersten Weltkriegs untergegangen ist sozusagen eine noch existierende, aber schwache Hoffnung dieses viel völkerreich zu einem Ziel zu führen.

00:09:43: Das ist sozusagen was einige der Protagonisten nicht der Hauptprotagonist Ulrich, aber eine Frau etwa Diotima oder eine Reihe von Aaligen erreichen wollen nämlich das siebzigjährige Jubiläum der Thronbesteigung des Kaisers Franz Josef zu feiern und damit zu zeigen dass Österreich eine große Zukunft haben kann.

00:10:06: Aber das genau, dieses Hingerichtetsein auf ein Ziel was so typisch war für das frühe zwanzigste Jahrhundert und den Verlauf des Zwanzigsten Jahrhunders.

00:10:17: Das wird von Musil sozusagen ironisch zersetzt.

00:10:21: Das werden von Musils an anderen Perspektive gesehen und wirkt.

00:10:25: So sehr wir in diese Periode in diese Epoche einsteigen können auf den Leser unterhaltsam und komisch.

00:10:32: Man weiß eigentlich von Anfang an, dass diese sogenannte Parallelaktion umzuzeigen das Österreich eine Zukunft hat scheitern wird

00:10:41: Die Desillusionierung nach dem Fortschrittsgläubigen und Fortschutz so optimistisch in der Jahrhundert.

00:10:48: Der Roman spielt exakt im Jahr, ein Schlüsseljahr.

00:10:52: Das ist das Jahr vor der großen Katastrophe als in Europa die Lichter ausgegangen sind erst der Weltkrieg.

00:10:58: Sehen Sie da?

00:10:59: In der Zeichnung dieser Zeit parallelen zur Gegenwart?

00:11:04: und wenn ja, wo genau hören Sie dieses schnarren der Zeit von dem Musildamansprach?

00:11:12: Ja ich glaube dass diese Zeit von uns weit entfernt ist.

00:11:15: Das habe ich ja gesagt.

00:11:16: aber die Art und Weise wie Musil diese Zeit sieht hat eine intensive Beziehung zu unserer Gegenwart.

00:11:24: also Die Protagonisten versuchen dieses Jahr für Österreich zu inszenieren, zu zeigen dass Österreich noch eine Zukunft hat.

00:11:33: Sie versuchen und kommen nicht drauf eine zentrale Idee für österreich zu finden.

00:11:38: das war alles durchaus aktuell in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und noch stärker in derzeit nach dem ersten Weltkrig.

00:11:46: Aber Musil sieht das aus einer ironischen Perspektive, die unsere Gegenwart entspricht.

00:11:51: Ich würde also sagen, die Art und Weise wie Musil über die Illusion dass es einen Fortschritt gibt, über eine zentrale Idee geben kann schreibt, die entspreecht genau... der intellektuellen Stimmung unserer Zeit.

00:12:09: und deswegen glaube ich, dass heute gar nicht mehr so früh in dem XXI.

00:12:13: Jahrhundert der Moment gekommen ist wo man Musil mit Verständnis, mit Begeisterung und auch mit einer Identifikation mit seiner Ironie lesen kann und lesen

00:12:24: soll.".

00:12:25: Sie haben das angesprochen.

00:12:26: die Parallelaktion so lautet dieses große patriotische Projekt der Erneuerungen Und da sind sehr viele mächtige und einflussreiche Menschen der damaligen Zeit beteiligt, aber man hat den Eindruck das ist eben ein rasender Stillstand.

00:12:45: Das eine Betriebsamkeit die irgendwie ins Leere läuft in die Absurdität hineinspielt und das klingt ja fast ein bisschen verdächtig nach Europäischer Union vielleicht auch nach dem politischen Betrieb in Bundesbern nach einer UNO Und anderen solchen Großinstitutionen der heutigen Zeit, halten Sie das für einen zulässigen Vergleich?

00:13:08: oder wäre das eine sozusagen zeitgeist-typische Vergewaltigung des Stoßes?

00:13:14: Nein.

00:13:14: Also ich über die Schweizer Politik bin ich nicht genug informiert um das zu sagen.

00:13:18: aber die Parallele zur EU, zur Europäischen Union ist ganz großartig.

00:13:23: Ich würde sagen könnte sagen dass sich der europäische Union Projekt des Kalten Kriegs also zwischen den beiden Weltmächten Sowjetunion und den Vereinigten Staaten auch geografisch in der Mitte will sich Europa als einzig militärisch nicht gerüstete Weltmacht etablieren.

00:13:41: Das hat sich überlebt, die beiden Welten möchte umgeben heute den Pacific.

00:13:46: Europa ist in der Hinsicht JVD aber so ähnlich wie in der Parallelaktion gibt es immer noch also vor allem in den zentral europäischen Ländern vor allem im Deutschland sozusagen Illusion über die Europäische Union, insofern – also ich bin ganz begeistert von Ihrem Vorschlag lieber Herr Köppel.

00:14:05: Insofern könnte man sagen dass der heutige Diskurs, die heutige Auseinandersetzung immer schon ermüdete Rede über das Projekt Europa eine ganz faszinierende Parallele zu der Parallelaktion im Mann ohne Eigenschaften ist.

00:14:25: Also quasi ein Bild einer geistig politischen Elite, die immer noch so tut als ob die alten Formeln gelten.

00:14:34: Aber eigentlich hat jeder schon gemerkt dass das Ganze innerlich abgestorben ist.

00:14:39: Ja also es ist interessant, dass im Inhalt von Mann ohne Eigenschaften die Initiative zu dieser Parallelaktion aus dem Adl kommt aus der Aristokratie kommt.

00:14:53: Aber sie spannen dann bürgerlicher ein, die daran noch glauben, dass dieses Land einen Fortschritt haben kann und einen Fordschritt machen muss.

00:15:02: Und auch wenn es also in Deutschland seit den zwanziger Jahren offiziell kein Adel mit dem Zwanzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts keinen Adel mehr gegeben hat aber es hat natürlich so eine Elite gegeben, eine intellektuelle Elite da kann ich mich noch an meine Gymnasialzeit in den späten fünfzigern und frühen sechziger Jahren erinnern, die gesagt hat Europa ist unsere Zukunft.

00:15:26: Europa müssen wir pflegen!

00:15:27: Und ich denke so ähnlich wie die Parallelaktion jedenfalls in meiner Erinnerung war Europa eigentlich nie ein Projekt das gezündet hat.

00:15:35: ja es gibt im Moment der größten Ausdehnung der EU usw.

00:15:40: aber die EU war wie Kritiker der EU sagen eigentlich immer nur ein schweres Gewicht auf den Taschen der Europasche Steuerzahler und hat Luxemburg zu einem der prokopfreichsten Länder der Welt gemacht, weil eben die Zentrale der EU-Verwaltung in Luxembourg liegt.

00:15:58: Aber außer Spesen nichts gewesen wie man früher in Deutschland gesagt

00:16:01: hat.

00:16:02: Ist Musil für Sie ein Chronist des Niedergangs?

00:16:06: Ein ironischer Beschreiber dieser sinnentlehrten Rituale, dieser holgewordenen Moderne?

00:16:15: oder gibt es auch Lichtblicke in diesem Roman Geistesplitze, wo man erkennen kann dass er eben doch eine Zukunftsperspektive sieht wenn vielleicht auch nicht bei diesen folklorehaften Eliten.

00:16:33: Ja zunächst man kann natürlich Musil als Kronik des Niedergangs dieser KUK Monarchie also der kaiserlich-könig Monarchy der Doppelmonarchie der österreichisch-ungerischen Monarchies lesen.

00:16:46: Und wenn man gerne historische Romane liest oder gerne Geschichte liest, ist Musil eine wunderbare Beschreibung dieser Hinsicht.

00:16:53: Das ist eine Möglichkeit.

00:16:55: aber wenn ich sage dass vielleicht heute der Moment gekommen ist wo diese Roman zünden kann dann ist es diese Perspektive von Musil.

00:17:04: Der Autor das wissen wir biografisch aber auch der Erzähler glaubt nie so recht dass diese Parallelaktion wirklich in Schwung kommen kann So wie ich muss ich sagen, nie so rechtlich glaubt habe dass die EU in Schwung kommen kann.

00:17:18: Deswegen bin ich also in den Vereinigten Staaten ausgewandert weil ich dachte vielleicht gibt es in diesem Land sozusagen die Dynamik von der mir in Europa immer geredet wird.

00:17:31: Ich glaube nicht.

00:17:34: das Buch selbst sozusagen helle Momente hat eine Utopie und sagt so sollte man sich verhalten.

00:17:42: Es gibt einige Protagonistinnen vor allem, auf eine von ihnen sollten wir noch zu sprechen kommen.

00:17:48: Das ist Agate die Schwester von uns sozusagen, die sympathisch sind, von dem man denkt achts sich so zu verhalten.

00:17:58: das könnte vielleicht eine Möglichkeit sein aber ich glaube nicht dass was den autor angeht, dass Musil sozusagen daran gelegen war eine helle, eine utopische, eine zukunftsorientierte Perspektive seinem Leser zu liefern.

00:18:12: Das muss der Leser selbst

00:18:14: tun.".

00:18:15: Die Genialität von Romanen liegt ja auch oft im Titel und dieses Titel ist praglos genial!

00:18:22: Der Mann ohne Eigenschaften – das ist ja zu einer stehenden Wende umgeworden, auch für alle jene die das Buch nur vom Hören sagen können – reden wir über den Mann ohne Eigenschaften über diesen Helden Ulrich, Ein Jahr Urlaub vom Leben nimmt, weil er nicht mehr weiß wer er ist.

00:18:43: Können Sie vielleicht etwas über diesen Helden sagen?

00:18:45: Ist das quasi der Protagonist eines Burnout-Romans oder steckt da auch schon wieder eine ironische Vorwegnahme unserer Identitätsbesessenheit drin?

00:18:58: Ja, Burnout stimmt vielleicht insofern nicht.

00:19:01: Weil Musil an einer Stelle wo man mit Burnout aus heutiger Perspektive rechnen könnte sagt Musil ja er möchte jetzt endlich seine vielen Talente anwenden obwohl er es gar nicht braucht.

00:19:12: also er ist reich genug.

00:19:13: er könnte auch leben ohne seine Talente verwenden zu wollen.

00:19:18: was dieser Mann ohne Eigenschaften ist ist jemand zunächst einfach gesagt Der so viele Qualitäten hat, dass die Vielzahl der Qualitäten es ihm nicht erlaubt eine Identität zu haben.

00:19:30: Zu Identität gehört immer auch das man bestimmte Sachen nicht gut kann.

00:19:35: Also ich zum Beispiel mein größter Lebenstraum wäre gewesen ein guter Sportler zu werden, aber dazu habe ich kein Talent gehabt.

00:19:41: also der einzige Sport den ich hier gespielt hab war Wasserball und da war ich sozusagen immer nur auf der Reservebank gesessen.

00:19:48: Aber das dass man sozusagen bestimmte Talente nicht hat Das gibt einem einen Profil, das gibt einem eine Eigenschaften.

00:19:55: Und Ulrich ist zunächst der Protagonist der so viel Talente hat der also in der Armee erfolgreich ist, als Ingenieur erfolgreich ist er als wissenschaftlicher Mathematiker erfolgreich ist.

00:20:06: Er bei allen Frauen erfolgreich ist und so weiter... ...und so weiter, weil er alle Qualitäten hat keine Identität haben kann wie man heute sagen würde.

00:20:15: Das hat auch damit zu tun das Ulrich der Protagonist dessen ist was Musil sehr früh das Möglichkeitsdenken nennt sich nicht auf die Realitäten nur zu konzentrieren die immer schon gegeben sind, sondern auf die mögliche Alternative.

00:20:33: Also dieser Protagonist Ulrich ist in seinen Gymnasialjahren vom Gymnasium verwiesen worden weil er ihn am Aufsatz als siebzehnjährige geschrieben hatte.

00:20:44: und als Gott die Welt erschaffen hatte hat er sich überlegt dass die Welt auch ganz anders sein könnte.

00:20:49: das ist übrigens also ein Satz wegen dem dann der junge Ulrich der Schule verwiesen wird Aber ein Satz, der mir in diesem Buch zentral zu sein scheint.

00:21:00: Dass die Welt eben immer auch ganz anders sein könnte und um es drastisch zu sagen vielleicht so wie sie ist nur geworden ist aus Zufallsgründen.

00:21:26: für irgendetwas zu entscheiden und dann an diesen Möglichkeiten leiden.

00:21:30: Ein anderer Begriff, den ich aufgeschnappt habe in diesem Buch ist der Wirklichkeitssinn.

00:21:35: Können Sie dazu etwas sagen?

00:21:37: Das ist für mich als Journalist besonders wichtig weil wir versuchen ja auch unseren Wirklichkeitssinn zu schärfen übrigens auch den Möglichkeitssinn.

00:21:46: es gibt immer noch eine andere Sicht.

00:21:48: können sie etwas zu diesen beiden Begriffen sagen die wichtig sind für das Buch?

00:21:55: Ja, wenn es uns bis jetzt schon gelungen ist irgendwelche unserer Hörer oder Zuschauer für dieses Buch zu interessieren.

00:22:03: Ich glaube das vierte Kapitel also sehr am Anfang dieses langen Buchs was tatsächlich ein philosophische Reflexion über Möglichkeit Sinn und Wirklichkeit Sinn ist.

00:22:14: Und da hat Musil ein interessantes Bild Was zeigt wie er den Wirklichkeits-Sinn eigentlich aus ironischer Perspektive sind.

00:22:24: Man könnte sagen, eine Metapher ein Bild für Wirklichkeitssinn ist der Fisch an einem Köder beißt ohne zu wissen das in dem Köder der Angelhaken steckt und hinter dem Angelhake also diese Strippe ist mit der der Angler ihn fangen kann.

00:22:43: Während Möglichkeitssinn, dass es der Fische sich für den Köder überhaupt nicht interessiert sondern diese Strippe als Gelegenheit nimmt durch den See oder den Fluss zu schwimmen in viele verschiedene Richtungen, der sie also als Alternative zudem nimmt was intendiert ist.

00:23:06: Dieser Möglichkeitssinn ist natürlich die Attitude der Intellektuellen.

00:23:11: Ich glaube, dass gerade die Weltwoche also den Möglichkeitssinn der Leser stärkt.

00:23:17: Weil man eben grade nicht so denkt wie der Mainstream auch experimentell nicht so denke.

00:23:23: und dieser Möglichkeitssin ist etwas was in unserer Gegenwart der Komplexitäten in der alles möglich ist aber in der es keine großen Visionen mehr gibt, keine Ziele auf die man zusteuern.

00:23:41: Dieser Möglichkeit ist etwas was man heute einerseits genießen kann und andererseits praktizieren kann bei der Lektüre dieses Buchs.

00:23:51: Und die Gefahr könnte sein das wäre die Frage ist dieses Buch sozusagen ein Bledway für die Weltflucht also sozusagen dass schwellen und sich verlieren auch in diesen Möglichkeiten?

00:24:08: Oder steckt darin letztlich auch ein Weg, eben noch in die Wirklichkeit zu finden.

00:24:17: Weil das mögliche ist ja manchmal auch das Unmögliche in der Wirklichkei bzw dieser Möglichkeit sind kann einen ja auch aus dem Weltzusammenhang heraus katapultieren.

00:24:27: Ist der Mann ohne Eigenschaften ein Fluchtroman?

00:24:30: Ist es ein Realitätsfluchtroman?

00:24:36: Also nachdem ich eine der wenigen Leute bin, der dieses Romanfragment und Roman ist vielleicht gar nicht die richtige Gattungsbezeichnung tatsächlich viermal gelesen hat.

00:24:46: Ich bin ziemlich alt aber wenig Leute haben den Mann ohne Eigenschaften vier mal gelesen.

00:24:51: möchte ich zunächst betonen dass es nach meiner Meinung überhaupt keine Botschaft an den Leser gibt also Botschaft der Welt flucht oder Botschaft orientiere dich so oder so sondern der Roman entwickelt eine Komplexität, die man als Leser begleiten kann und die einen selbst ans Denken bringt.

00:25:11: Es ist ganz interessant.

00:25:12: es gibt eigentlich keinen zentralen Protagonisten und wenn man also verschiedene Leser fragt dann sagen sie ja ich mag Diotima besonders gerne oder ich hänge an Clarisse oder Ich bin von Agate begeistert.

00:25:25: Also was eigentlich dafür spricht dass im Laufe dieser Lectüre Man sich sein eigenes Bild macht, als sei mal sozusagen Teil dieser Welt oder Beobachter dieser Welt.

00:25:39: Dass man aber aus der Lektüre sich nicht verabschiedet eben wenn er sagt ah jetzt weiß ich wie die Welt läuft, jetzt weiß Ich wie ich mich verhalten muss das war ja ist für mich eigentlich eine der großen Vorteile dieses Romans dass er weder politisch noch was die Gesellschaft angeht, noch was der Ästhetik angeht.

00:26:01: Irgendwelche Vorgaben macht, sondern beständig eine Provokation des eigenständigen Nachdenkens, des eigenstandigen Bewertens ist.

00:26:11: Was ich als Fußnote anfügen möchte – ich weiß nicht warum das so ist?

00:26:14: Ich habe einmal im Leben ein Seminar hier in Stanford über Musil gemacht.

00:26:18: Musil ist eigenartigerweise der Mann ohne Eigenschaften, ist ein Roman auf den offenbar Frauen weniger stark als Männer reagieren.

00:26:27: Obwohl meine Beobachtung ist dass die zentral faszinierende Protagonisten in diesem Roman Frauen sind.

00:26:33: aber leider vielleicht reagieren Männer auf den Roman stärker als Frauen und ich wäre dankbar wenn in dem Seminar was sich jetzt demnächst beginnen werde tatsächlich wie ich immer erwartet habe Frauen sich für diesen Text begeistern können?

00:26:51: Kommen auf eine der ganz interessanten Frauenfiguren in diesem Romanfragment noch zu sprechen.

00:26:56: Eine letzte Frage zu Ulrich, zu dem Titelprotagonisten kann man sagen er ist Mathematiker, Musil war Ingenieur, Physiker, Promovierter Psychologe.

00:27:08: Sagen Sie nach etwas zur Sprache Ist Musil ein großer Stylist oder ein schreibender Naturwissenschaftler Oder wirklich ein Romanceer, ein Sprachkünstler?

00:27:19: Also er ist sicher kein schreibender Naturwissenschaftler, ich glaube Musil war intellektuell gesehen in seinem ganzen Leben in einer starken Polarität.

00:27:30: Er hat sich einerseits für was ja typisch war für das österreiche jener Zeit, was man heute kaum mehr weiß auf der einen Seite für Physik und für Ingenieurs Wissenschaften interessiert.

00:27:43: übrigens endlich wieder junge Bittgenstein.

00:27:45: Er war im ersten weltlich Artillerieoffizier und war als Artillerierofficier auch sehr kompetent.

00:27:52: Und auf der anderen Seite hat er sich für die Philosophie seiner Zeit, also vor allem für die Phänologie fasziniert.

00:27:58: Also das lässt sich eigentlich nicht vereinbaren.

00:28:04: Seine Sprache ist keine angestrengte Sprache.

00:28:08: Das scheint mir wichtig zu sein.

00:28:12: Musil im Gegensatz zu Joyce, ich denke auch im Gegendsatz zu Prustig sehr bewundere beide.

00:28:18: Man kann ihn sozusagen Satz für Satz gut nachvollziehen.

00:28:23: Die Komplexität dieser Sätze liegt in ihrer durchgehalten Ironie.

00:28:30: also man weiß nie so richtig ob man dem Erzähler trauen kann oder nicht trauen können.

00:28:36: es gibt ein Kapitel das bezieht sich auf den Hauptprotagonisten.

00:28:40: Ulrich Das spricht von dem genialen Rennpferd.

00:28:45: Ja, und dann sagt Musilial es ist ein Zeichen unserer Zeit also er meint damit das frühe zwanzigste Jahrhundert dass wir jetzt auch Boxer- und Tennisspieler und sogar Rennphärdegeniale nennen.

00:28:58: Und dann spricht er fast so als sei das an positiv um seinerzeit.

00:29:03: Wenn Ulrich der Protagonist erschrocken ist, dass man jetzt auch Rennpfährdegenial nennen kann ob Der Erzähler Und ob Musil selbst das für ein Krisensymptom hält oder denkt, vielleicht ist es positiv dass man jetzt auch über Sportler als Genie reden kann lässt sich glaube ich im Text nicht der Mittel und da ist wieder die Lese heraus gefordert.

00:29:29: Also von Satz zu Satz, das ist eigentlich nur ein einziger Satz.

00:29:32: ja davon spricht das man jetzt Rennpferde genial nennen kann Satz zu Satz und je länger man dieses Buch liest, desto mehr wird einem das bewusst.

00:29:41: Wird man in das Bewerten, in das Nachdenken mit einbezogen?

00:29:45: Man wird also vielleicht habe ich es deswegen viermal im Leben gelesen.

00:29:52: Man wird zum Teil eines Denkprozesses die sehr zugängliche Prosa von Musila öffentlich.

00:30:01: Das ist eine nicht angestrengte literarische Prosa, was unter den großen Autoren des zwanzigstehunderts sehr selten vorkommt.

00:30:08: um noch eine kritische Sache zu sagen.

00:30:11: Es ist auf der anderen Seite nicht eine derart handwerklich gekonnte Prosa wie bei Thomas Mann.

00:30:18: Also Thomas Mann kommt mir im Vergleich zum Musil manchmal wie Kunsthandwerk vor.

00:30:24: ich weiß sozusagen schon immer in welche Richtung der nächste Satz und in welcher Richtung das nächste Kapitel läuft was im Mann ohne Eigenschaften absolut nicht der Fall ist.

00:30:35: Sie haben die Frauenfiguren erwähnt, eine ist die Schwester Agate und möchte in diesen Templock einsteigen.

00:30:41: Der Mann ohne Eigenschaft hat auch so etwas Skandalöses.

00:30:45: es gibt da gewisse Heikle Stellen und ich gab bei dieser Figur der Agata das ist die wiedergefundene Schwester des Titelhelden Ulrich entspannt sich also eine Beziehung zwischen den beiden.

00:31:00: Und diese Beziehungen, wenn der Begriff richtig ist, führt in einen anderen Zustand und das geht ziemlich in den Inzest hinein.

00:31:11: Was wollte ich damit sagen?

00:31:14: Das war eine Provokation, sozusagen ein Skandal der damaligen Zeit wo man vielleicht auch etwas gegen moralische Konventionen sich wenden wollte.

00:31:23: Vielleicht können Sie dazu noch etwas erzählen

00:31:25: über dieses heikle

00:31:27: Beziehungsfeld zwischen Bruder und Schwester?

00:31:31: Der Eindruck ist, denke ich biografisch nachweisbar.

00:31:35: Das Musil im Gegensatz zu anderen Autoren nie die Absicht hatte seine Leser von irgendetwas zu überzeugen.

00:31:42: Also wenn hier so ein Inzest-Motiv vorkommt dann bedeutet das bei Musil weder dass er sagen will also Inzests sozial unmögliche, aber eigentliche Erfüllung von erotischer Liebe oder dass er in Zest ablehnen will.

00:31:57: Sondern es kommt zu dieser engen Beziehung zwischen diesen beiden Geschwistern und das kann man wieder in vielerlei Weise lesen.

00:32:07: Man kann sagen, dass vielleicht die Erfüllung der Liebe, die Ähnlichkeit, die das voraussetzt, nur unter Geschwistern gegeben sein kann.

00:32:19: Deswegen nennt also ganz hyperbolisch an einer Stelle Ulrich das Verhältnis zu seiner Schwester, wir sind siamesische Zwillinge!

00:32:28: Also wir sind auch sozusagen körperlich

00:32:30: eins.

00:32:32: Sie erreichen ein Status der Einigkeit des Verständnisses was gar nicht mehr über Sprache abzuwickeln ist sondern sie verhalten sich so zu sagen schon immer in komplementärer, in gleicher Weise.

00:32:50: Sie haben wechselseitig eine Anziehungskraft mit der sie nicht gerechnet haben.

00:32:56: Für mich ist Agate eine faszinierende Gestalt weil sie eigentlich die einzige Gestalt in diesem Romanis die selten nachdenkt.

00:33:07: Agate in den Dialogen mit ihrem Bruder gibt immer ganz kurze Antworten und des gedruckten Textes zu Lebzeiten von Musa Nacht nach dem Tod von Musil veröffentlichten Text ist, dass nach einer Feier bei dieser Parallelaktion Agate verlässt den Raum und ihr Bruder wusste nicht wohin sie geht.

00:33:30: Oder Agate fühlt sich plötzlich bewegte in das Schloss, das Ihr Bruder in Wien bewohnt einzuziehen.

00:33:39: Sie möchte sich von ihrem Mann einem erfolgreichen Professor der Pädagogik scheiden lassen Und dann fragt der Bruder warum und er sagt, ich habe keinen Grund.

00:33:48: Ich möchte mich scheiden lassen.

00:33:50: Also dieses Nichtdenken aber in jedem Moment wissen was der nächste Schritt ist.

00:33:56: Dieses Vollziehen des nächsten Schritts ohne die großen Blasen der Reflexion die andere Protagonisten haben das macht Agate für mich zu einer faszinierenden Protagonistin.

00:34:08: Aber vielleicht macht sie für mich so eine faszinierende Protagonistin, weil ich eben durch meinen Beruf, also emeritierte Professor der Literaturwissenschaft immer schon zu viele zu große Reflexionsblasen hergestellt habe.

00:34:23: Also ich will damit illustrieren wie verschiedene Leser ganz verschiedene Faszination und verschiedene eigene Reflexion in der Welt dieses Romans nicht nur sich erschließen können sondern für sich selbst durchdenken, bilden können.

00:34:40: Warum ist dieses Romanfrag meint?

00:34:43: Für Frauen wie Sie vorhin gesagt haben besonders interessant?

00:34:46: es gibt ja noch andere Frauenfiguren.

00:34:50: was sticht da heraus?

00:34:52: Also zunächst mal ist die Beobachtung der Hauptprotagonist, Ulrich.

00:34:58: Ulrich ist der, der sozusagen alle verschiedenen Gruppen des Romans verbindet.

00:35:02: So ein Protagonist braucht man in einer großen Erzählung, sag ich mal statt einen Romanz zu nennen.

00:35:08: aber dann stellt sich heraus dass die Protagonisten die einen vielleicht am stärksten ans Denken bringen.

00:35:16: Und das wäre die Perspektive, die ich für eine heutige Lektüre empfehlen würde nicht den Roman als eine Handlung zu lesen, die zu einem Ende führt sondern als eine Komplexität in die man einsteigen kann dass das Frauen sind.

00:35:30: also da gibt es etwa die Frau eines Freundes von Ulrich die heißt Clarisse Und die hat sich mit ihrem Mann Walter verheiratet, weil sie glaubt, dass Walter eines Tages ein großer Künstler sein will.

00:35:44: Er wird sein, aber Walter wird kein großer Kündler.

00:35:46: Aber Clarisse liest Nietzsche.

00:35:51: Der totales Missverständnis von Nietzche.

00:35:53: würde man also Nietzsch den alle Intellektuellen um Nr.

00:35:55: Neunzelhundert gelesen haben, würde man sagen, wenn man Nietzcher einigermaßen versteht... ...aber sie macht etwas Produktives daraus und wird zu einer exzentrischen Gestalt.

00:36:06: Sie wird zu einer Gestalt, die nachvollziehen kann dass Leute, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind weil sie angeblich psychiatrisch krank sind ihre eigene Welt hat.

00:36:15: Also diese Clarisse wird plötzlich faszinierend.

00:36:19: oder wie ich schon gesagt habe Agate Die Schwester von Ulrich wird faszinerend Möglicherweise ohne das Musil das beabsichtigt hat.

00:36:30: Sind die Frauengestalten so faszineieren?

00:36:32: Weil sie in der Welt die Musil beschreibt in der Welt des zu Ende gehenden österreichischen Kaiserreichs weniger durch ihre Rollen determiniert waren.

00:36:42: Dadurch, dass Frauen nicht im Vordergrund standen, im späten neunzehnten und prühen zwanzigsten Jahrhundert gibt es sozusagen für die Faszination des Autors einen größeren Spielraum hier Möglichkeiten Einladung an den Leser zu eröffnen.

00:36:58: also zum Beispiel ist für mich Ja, von mir am meisten geliebt Person in diesem Roman tatsächlich Agate.

00:37:07: Aber ich finde auch diese... ...in ihrem Leben und Intellect Girl geschaltete Clarisse faszinierend aber auch Diotima die eigentlich diese Parallelaktion zu ihrem erfolgreichen Ende führen kann und mehr und mehr einsieht dass dieses erfolgreiche Ende nicht denkbar ist.

00:37:27: also warum Frauen gestalten im Vordergrund stehen ist schwer zu sagen, dafür gibt es viele Gründe.

00:37:35: Das war sicher keine Strategie für Musil aber es ist eine Empfehlung sozusagen mit der Lektüre durchzuhalten weil man auf faszinierende Frauen gestalten.

00:37:45: mehr als in irgendeinem anderen großen Text des zwanzigsten Jahrhunderts, den wir bekannt sind stößt

00:37:52: Eine ganz schräge Figur die ja durch dieses Buch geistert.

00:37:56: ist dieser Moos-Brugger ein Lustmörder?

00:38:00: und Da gibt eigentlich diesem Triebtäter erstaunlich viel, oder der Auto gibt dem Triebtäter er staunlich viele Raum und auch Verständnis.

00:38:10: Also überhaupt nicht eine moralisierende Beschreibung dieser Gestalt.

00:38:16: Und mich gefragt ist das heute überhaupt noch denkbar?

00:38:19: Oder ist es ein Irrtum dass dieses Buch immer noch geben darf weil ja in der politisch korrekten Zeit solche... gestalten entsprechend auch etikettiert und mit Triggerwarnungen versehen werden müssen.

00:38:34: Was sehen Sie da drin?

00:38:35: Was ist das für eine Dimension im Buch?

00:38:39: Zunächst ist es diese Komplexität, also das ist ein Gestalt dieser Mosburger der übrigens kein Lustmörder ist sondern er hat auf grausamste Weise eine Prostituierte ermordet weil er glaubt dass Prostitution Ja, sozusagen die Dekadenz der Welt ist.

00:38:58: Prostitution darf nicht existieren Das ist sein Weltbild und deswegen glaubt er hat er das Recht diese prostituierte umzubringen.

00:39:10: In den Kapitel über Mosburger verzieht man immer wieder wie ein Mosburger über sich selbst nachdenkt Und Mosburger ist sozusagen froh über jede Gerichtsverhandlung weil er bei den Gerichts Verhandlungen die Möglichkeit hat zu sagen dass er ganz zu Recht diese Frau umgebracht hat und weil er erwartet, dass er dafür mit der Todesstrafe exekutiert wird.

00:39:31: Das scheint ihm richtig zu sein.

00:39:33: Das ist sozusagen etwas was er akzeptieren.

00:39:36: Historisch gesehen muss man wissen das die Zeit im Musil beschreibt also die Zeit des frühen zwanzigsten Jahrhunderts war in dem mal zum ersten Mal darüber nachdachte Dass vielleicht der Entschluss zu einem Mord eine Pathologie an sich ist.

00:39:54: Also wer einen anderen Menschen umbringt, das ist die politisch korrekte Version von heute.

00:39:59: Ist sozusagen schon immer pathologisch und deswegen gibt es einige der Protagonisten in diesem Romantie sich für die Mosburger faszinierend ist, die mit Mosburger in Kontakt kommen wollen.

00:40:11: auch da gibt Musil keine Lösung aber ich würde sagen Weil sie darauf angespielt haben, Herr Köppel.

00:40:20: Aus der Perspektive von heute ist die Gestalt von Mosbrugger und das Nachdenken, dass nachvollziehen der Gestalt vom Mosbruger ein Anlass sich über die Symptome of political correctness.

00:40:34: Ich weiß nicht mehr...

00:40:36: Politische Korrektheit?

00:40:37: ...politische Korrektheit Gedanken zu machen.

00:40:39: ja!

00:40:39: Das wäre eine Möglichkeit.

00:40:40: ich sage nie, dass man den Protagonisten oder die Passage des Buches so lesen soll Aber es gibt keine Lösung zu Mosbroker.

00:40:48: Musil sagt auch nicht, nein der hat völlig Unrecht sondern Es ist sozusagen die Einsamkeit der Reflexion dieses Mörders Die wenn man sie nachvollzieht ein selbst die Möglichkeit gibt über diese strafrechtliche psychiatrische syndrome für heute.

00:41:07: Politische Korrektheit sich andere Gedanken zu machen

00:41:09: aber sicherlich eine betrachtungsweise die einen aus jeglicher vielleicht auch moralisch und selbstgerechtigkeit herausführt, dann fast so wie sie schildern.

00:41:19: Klingt das ein bisschen nach einer geradezu jetzt nichtfalls verstehen zoologischen Betrachtungsweise im Reich der wilden Tiere unter interessanten Figuren in die wir uns hineinversetzen?

00:41:30: In einer extremen Zeit, die sich im Grunde selber überlebt hat?

00:41:35: Ja also oder die sich nicht überlebte?

00:41:39: man könnte ja so sagen unsere Gegenwart

00:41:41: ist

00:41:42: die Die intellektuellen Protagonisten im Mann ohne Eigenschaften, also vor allem die vorhin erwähnte Clarisse, die den Nietzsche falsch aber produktiveweise falsch schließt.

00:41:56: Die engagieren sich für Mosburger.

00:41:58: Die wollen Mosburger treffen und die wollen dass Mosburger absolut nicht verurteilt werden darf.

00:42:04: zum Tod der Verurteilung.

00:42:05: Da werden Mosburger selbst zum Tode verurtheilt werden möchte.

00:42:08: er möchte sich nicht verteilen.

00:42:10: Er möchte nur Gelegenheit haben, das zu sagen, dass er recht hatte diese Prostitiöte auf grausame Weise umzubringen.

00:42:19: Wenn man darüber nachdenkt kommt man plötzlich drauf, dass vielleicht also unsere eigene für Intellektuelle heute typische Großzügigkeit im Sinn der politischen Korrektheit auch etwas Absurdes hat?

00:42:34: Dass wir sozusagen jeden Gewalttäter und jeden Verbrecher, um es traditionell zu sagen schon immer Psychopathologisieren.

00:42:43: Und indem wir im Psychopathologie von aller Schuld freisprechen.

00:42:48: Also das bringt einen letztlich zu der Frage was ist eine Gesellschaft in der es nur noch moralische Schuld aber keinen anderen Begriff von Schuld mehr gibt?

00:42:58: Und darauf hat Musik keine Antwort, das ist der Punkt.

00:43:01: Also die Lektüre des Buchs bringt ein immer wieder in schleifende Reflexion, inschleifen der eigenen produktiven Reflexionen ohne die Unterhaltsamkeit zu verlieren.

00:43:11: Ja?

00:43:11: Etwa gegen Ende des Romanfragments also in ihrer Ausgabe so um die Seite Fünfzehnhundert.

00:43:18: wahrscheinlich wird dann Clarisse zusammen mit Ulrich also zugelassen dass sie diese Irrenanstalt, wo sich Musburger mittlerweile nicht mehr im Gefängnis und der Irrenanstalt befindet, besuchen können.

00:43:34: Und ja so wenig politisch korrekt das ist aber... Das ist eine sehr komische Passage die man mit einem gewissen Amusement lesen kann, die brillant geschrieben ist und die einem auch eine möglicherweise heute vergangene faktische Welt vergegenwärtig

00:43:57: ist ja ziemlich heftig, regelrecht gnadenlos wie da die Salon-Damen, die Geistesgrößen, die Generäle, die Exponenten.

00:44:06: Die Wichtigtour, wie er die auf den Objektträger seiner schonungslosen Röntgenmaschine quasi legt.

00:44:15: Wie haben Sie das empfunden?

00:44:17: Ist das witzig oder ist es schon menschenverachtend um dieses Wort zu verwenden?

00:44:28: Ich lese zumindest Museln nicht als Menschen verachtend und ich meine, da könnte man biografische Gründe dafür anführen.

00:44:35: Aber das will ich gar nicht tun.

00:44:38: sondern wie definieren wir eigentlich Ironie?

00:44:42: Was meinen wir wenn wir sagen jemand spricht ironisch?

00:44:45: also wenn mir sagt jemand spricht ironically dann setzen wir voraus dass er immer das Gegenteil von dem sagen will was er explizit sagt.

00:44:56: Wenn ich also am Ende dieses Gesprächs sagen würde, ironisch sagen würde – na das war aber ein ganz dummes Gespräch.

00:45:03: Dann wollte ich sozusagen sagen wie hervorragend dieser Gespräche war.

00:45:08: Aber diesen Schluss kann man bei Musil nie ziehen!

00:45:11: Also... Man sieht an vielen Stellen dass der Erzähler vor allem, der einen Allwissen ist, der immer weiß was mit den Protagonisten los ist, also starke Formulierungen wählt Also zum Beispiel sagt das ist ein Positivum, dass man heute auch einen Rennpferd genial nennen kann.

00:45:34: Aber die Formel, daß man sagt Musin meint als Gegenteil.

00:45:39: also eigentlich dürfen Rennperde nicht genial genannt werden.

00:45:43: Die geht in diesem Roman nicht auf.

00:45:46: Es ist eine Ironie, die einem immer mit der offenen Frage lässt was ist denn eigentlich gemeint?

00:45:55: Es ist eine Ironie, die man genießen kann weil sie in vielen Stellen witzig ist.

00:45:59: Weil man weiß das ist es nicht was der Erzähler und der Autor meint.

00:46:03: aber es ist eine ironie die einem nicht sozusagen im eins zu eins Verhältnis auf die gegenteilige Meinung bringt.

00:46:10: Das ist eineironie die Komplexität eröffnet und damit immer einer Einladung zum eigenständigen Nachdenken ist.

00:46:20: Es gibt ja berühmte Kritiker.

00:46:22: Dieses Buch, dieses Romanfragment unter anderem Marcel Reich-Ranitzki der Kritiker Papst der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat dem Buch eine absolut überelitäre Grundhaltung vorgeworfen.

00:46:36: Ich habe gesagt das sei handlungsarme sehr Sticke und der Reflexionen Musil habe seinen Stoff nicht bewältigt.

00:46:43: und es mag ja auch einige Leser geben die das anfangen.

00:46:46: aber sie halten's vielleicht Sie schaffen es nicht.

00:46:49: Sie halten nicht durch, in diesem Bewusstseins- und Reflexionsstrom einzutauchen und dabei zu bleiben?

00:46:55: Was entgegnen sie diesen Kritiken und was raten sie jenen die vielleicht nach einer gewissen Seitenzahl sich durchbeißen müssen?

00:47:03: Also zunächst was Marcel Reich Ranicki angeht also den kritiker Papst in Deutschland will ich mal sagen im späten zwanzigsten Jahrhundert.

00:47:15: Marcel Reicharnitzki hat eine normative Vorstellung von dem gehabt, was ein guter Roman sein soll und muss.

00:47:23: Das waren für ihn die großen realistischen Romane des neunzehnten Jahrhunderts, die natürlich großartig sind.

00:47:30: Also Balsakromane haben immer eine Handlung.

00:47:34: Man kann am Ende sagen jetzt ist diese Handlung abgeschlossen.

00:47:40: das gilt in geringerem Maß für Flaubert, aber einen starken Maß für Solardas gilt wenn man an Effibris denkt den großen deutschen realistischen Roman für Fontane und so weiter.

00:47:53: Aus der Perspektive hat Reich Ranitzky Musil gelesen und wenn man sozusagen beim Mann ohne Eigenschaften auf eine Handlung fixiert ist die zu einem bestimmten Ende führt, dann ist man um das Wort mal so zu verwenden aufgeschmissen.

00:48:11: Musil hat mehr als tausend Seiten von Notizen über die Fortsetzung des Romans hinterlassen aber aus diesen Notizen so sehr sich Literaturwissenschaftler bemüht haben lässt sich kein Ende hochrechnen.

00:48:25: also ich glaube der Punkt ist dass sich dieser Roman Komplexität, von immer stärkeren Denkbewegungen die an den Leser gerichtet sind.

00:48:39: Gar nicht hätte zu Ende schreiben lassen.

00:48:40: der Roman hat in dem Sinn keine Handlung obwohl sozusagen immer faszinierende Nebenhandlungen laufen.

00:48:47: es gibt dieses Inzestmotiv von dem wir vorhin geredet haben aber ich denke nicht dass Musil sagen wurde und das steht jetzt am ende und das ist ja eigentlich Erfüllung

00:48:58: Ja, ist eigentlich das unsere...

00:48:59: Also Marcel Reichranicki überfordert eigentlich.

00:49:02: Also Marcel Reichranicki war ein ganz faszinierender Kritiker-Typ aber der eben den Romanen wo man sich mit dem guten Protagonisten identifizieren kann als Norm gesetzt hat und insofern völlig blind war für die Möglichkeiten des Manns ohne Eigenschaften.

00:49:19: Um wenn ein Leser Mühe hat vielleicht nach einer gewissen Zeit dabei zu bleiben was raten Sie dem?

00:49:25: Ja, ich rate dem Leser was also schon etwas Ungewöhnliches für eine Literaturwissenschaftler.

00:49:33: Vielleicht nicht Seite-für-Seite diese Fünfzehnhundertseiten durchzulesen.

00:49:38: Also, so werden wir das auch in dem Seminarbassfirmen Ende des Monats, also am vierundzwanzigsten April beginnen machen.

00:49:49: Ich war einer Einleitung geben, in der viele der Motive vorkommen über die wir heute gesprochen haben.

00:49:53: Auch eine historische Einleitung geben.

00:49:56: aber wir werden dann sozusagen Kapitel entlang einiger Protagonisten lesen also in erster Sitzung einige Kapitel über Ulrich wie man sieht wie diese Gestalt immer komplexer wird wie Ulrich eben keine Lösung für sein Leben findet.

00:50:11: und dann werden wir entlang Diotima lesen.

00:50:14: Also das ist nicht nur die Gestalt Diotima, sondern wir lesen Kapitel entlang dieser Parallelaktion.

00:50:20: Die scheitert!

00:50:22: Und wir werden in einer der letzten Sitzungen einige Kapitelentlagen von Agate lesen.

00:50:28: und da geht es gar nicht so sehr um den Inzest, sondern da geht vor allem um die Frage... Ist vielleicht gerade auch in unserer heutigen Situation?

00:50:38: Und vielleicht gerade aus der Perspektive von Denkendenlesern Eine Form des Verhaltens und eine Form des Lebens, die nicht beständig von Reflexionen begleitet ist.

00:50:50: Das nachdem wir uns sehen das was?

00:50:53: ja weil es das richtige Leben die richtige Lebensformen nicht mehr gibt dass was erstrebenswert sein könnte.

00:51:00: also ich empfehle dem Leser nicht unbedingt wenn man sozusagen Seite für Seite fasziniert ist.

00:51:05: das geht mir so.

00:51:07: Aber wenn das nicht der Fall ist, dann kann man sich in den Inhaltsverzeichnis orientieren.

00:51:11: Das Buch hat knapp zweihundert Kapitel und Musil... war auch unter anderem ein sehr guter Auto für Kapitelüberschriften.

00:51:21: Man weiß eigentlich nicht schon immer, worauf man sich gefasst machen muss bei den Kapiteln – es ist relativ leicht sich da zu orientieren.

00:51:29: und wenn einem dann einen Kapitel nicht gefällt oder nicht interessiert oder nicht die Erwartung erfüllt, dann liest man ein anderes weiter.

00:51:36: Also ich meine nicht dass das unbedingt ein Buch ist was man linear lesen muss.

00:51:46: Geht in die Schweiz, stirbt einsam und vergessen, in Genf.

00:51:54: Und interessant ist ja das andere Geistesgrößen der damaligen Zeit.

00:51:59: Denken wir an einen Gottfried Benn, einen Martin Heidecker ... Man könnte weitere nennen auch ein Knuthamsun Nobelpreisträger aus Norwegen Die erlagen dem Fauen zauber des Totalitarismus der damaligen Zeit.

00:52:17: Musil ist das nicht passiert, haben Sie da eine Erklärung dafür wie dieser Erkunder seinerzeit im Ungebliebenen ist?

00:52:28: Ich will zunächst etwas sagen nachdem sie mich nicht gefragt haben weil die Weltwoche ja eine Schweizer Wochenzeitung ist und weil die Schweizer sind lieber Herr Köppel.

00:52:39: Der Grund warum Musil die letzten Lebensjahre in Gen verbracht hat war Dass es in Genf eine kleine Gruppe wohlhabender Typisch-Genfer Leute gab, die eines Société d'Isamide Robert Musil gegründet haben.

00:52:56: Und dieses Société des Amides Robert Musils hat es ihm möglich gemacht, er hatte keinerlei Einkünfte mehr sozusagen den Rest seines Lebens ja also in sehr bescheiden Verhältnissen zu verbringen.

00:53:08: Aber ich muss sagen, in Österreich war es nicht mehr möglich.

00:53:12: Weil Österreich nach dem Anschluss von und dreißig international Sozialismus stand.

00:53:16: Deutschland war ohnehin nicht möglich.

00:53:18: Also Schweiz war und Genf war der eine Ort wo Musil sein Leben zu Ende bringen konnte und wo dann auch seine Witwe überlebt hat.

00:53:30: Es gibt einen biografisch markanten Grund warum er weder in Deutschland noch in der Schweiz leben konnte Und das ist die Tatsache, dass Musil, ich glaube, in neunzehnt sechs eine jüdische Frau geheiratet hat.

00:53:43: Aber auch das und das ist typisch für Musil war nicht mit irgendeiner Art Philosematismus verbunden.

00:53:50: Es gibt also in der Geschichte des Manns ohne Eigenschaften einen jüdischen Protonisten den Bankier fischeln und er wird nicht unbedingt positiv dargestellt.

00:54:02: Also es gibt kein Engagement für Musi in dieser Seite.

00:54:05: Aber ich denke Musil als ein Intellektueller, ein Denker und ein Autor der Komplexität hat keinerlei Affinität gegenüber den Ideologien gehabt.

00:54:19: Das Zeitalter... in dem er gelebt hat, vor allem als Intellektueller.

00:54:24: Also das Zwischenkriegs-Zeitalter war das Zeitalter der großen Ideologien.

00:54:28: Der Coerentenideologin nämlich in der Konkurrenz aus der Erste Weltkrieg oder Zweite Weltkrig ausgebrochen ist zwischen der faschistischen und der sozialistischen kommunistische Ideologie Und die hatten beide keine Verführungskraft für Musik.

00:54:46: also ich glaube es war nicht nur dass er Also über so Protonazis, da gibt es einen Protagonisten der für mich dummerweise Hans Zepp heißt.

00:54:56: Zwar mit Ironie schreibt er aber schreibt über alle mit Ironien.

00:55:00: Das ist nicht der Punkt sondern Musil als Denke der Komplexität und als Denken der Komplizität meine ich hatte eine Affinität zu unser Gegenwart.

00:55:10: In der Hinsicht war Musil von den Ideologien nicht verfügbar Und in der hinsicht die Tatsache, dass er mit einer jüdischen Frau verheiratet war.

00:55:19: Es war der Anlass warum er nach neunzehntrein dreißig nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt ist und warum er in neunzentdreißig Wien verlassen musste.

00:55:32: aber nicht der eigentliche Grund.

00:55:33: Ich denke selbst wenn Musil in Wien geblieben wäre, wenn seine Frau keine Jüdin gewesen wäre, wäre er nie der Versuchung Der Koherenz der nationalsozialistischen Ideologie an Heim gefallen, so wie zum Beispiel Heideger.

00:55:48: So wie

00:55:49: z.B.,

00:55:50: aber nur in den frühen Jahren des Nazismus also kurz nach neunzehnunddreißig... ...der große deutsche Lyriker Gottfried Ben.

00:56:00: Spielt eigentlich diese dunkle Zeit?

00:56:04: In diesem Roman hinein lernt man etwas darüber wenn man an Thomas Mann denkt Zauberberg andere große Romane waren ja auch der Versuch, das zu ergründen wie plötzlich diese Finsten ist dass böse in einer Gesellschaft sich ausbreiten kann.

00:56:23: Haben sie darüber etwas gelernt?

00:56:24: Haben Sie da etwas erfahren anhand dieser phänomenologischen beschreibenden Betrachtungen und Reflexionen vom Musil?

00:56:35: Also einmal muss man auch nein sagen also selbst bei einem Auto den man sehr bewundert.

00:56:41: Ich kann natürlich, und niemand kann Muze lesen ohne zu wissen dass er in dieses Zeitalter der Ideologien also bis in die Mitte des Zweiten Weltkriegs chronologisch gesehen hineingeliebt hat.

00:56:54: Und das er davon wusste.

00:56:57: Aber ich will sagen Kann natürlich vorstellen dass irgendein Leser der das Buch in dieser Art von eigener Komplexitätsproduktion liest wie ich vorgeschlagen habe auch über Ideologien nachdenkt, aber so wie ich gesagt habe es gibt keine generelle Intention des Buchs.

00:57:17: Also weder der Autor Musil noch der implizite Erzähler will den Leser von irgendwas überzeugen.

00:57:24: So gibt es eigentlich nur einen Kommentar dafür dass dieses historische Weltbild, dieses zugeordnet sein auf Ziele diese zündende Idee der Parallelaktion vor dem Ausbruch des Erste Weltkriegs, dass das nicht mehr funktionieren konnte.

00:57:44: Man kann das natürlich per Analogie dann auf die Ideologien übertragen.

00:57:50: Denn es ist ja nicht nur die faschistische Ideologie – es ist auch die Ideologie, die in den Russland ausbricht also die Idealgie der klassenlosen Gesellschaft.

00:57:59: Die haben hier solche Ziele und die haben ja solche Korenzen!

00:58:02: Man kann also aufgrund der Lektüre des Manns ohne Eigenschaften diesen Anspruch der ideologischen Koherenz ironisch unterminieren und ironisch lächerlich finden.

00:58:14: Aber ich will nicht sagen, dass man den Mann ohne Eigenschaften als ein Lehrstück gegen die Versuchung der Ideologien lesen kann – es ist kein Lehrstuck in keiner Weise!

00:58:27: Sie machen dieses Seminar mit einem Kollegen Russell Berman, der auch eine bedeutende Rolle spielt im amerikanischen Geist des Lebens auch mit der Politik schon zusammengearbeitet, ein Geisteswissenschaftler, der eben auch in der gesellschaftlichen Sphäre eingewirkt hat.

00:58:44: Vielleicht erzählen Sie zum Schluss noch etwas was Leute die sich für Ihr Seminar interessieren und wir werden dann die Adresse vermutlich schon eingeblendet aber ich werde am Schluss noch ein paar Dinge dazu sagen.

00:58:55: ja was können sie erwarten?

00:58:56: Und an wen richtet sich das was Sie zusammen machen?

00:59:00: und was ist vielleicht auch etwas die spezielle Chemie zwischen Ihnen und Russell Berman?

00:59:05: Was sind die unterschiedlichen Aspekte, die da herausgearbeitet

00:59:09: werden?".

00:59:11: Also ich habe schon gesagt.

00:59:12: Die Lektüre wird so sein dass wir also nicht den Roman von vorne bis hinten lesen und sozusagen immer beständig kommentieren wie die Leser zu lesen haben sondern das wir entlang von Motiven genau ein lang von gestalten leden also Ulrich Diotima Clarisse, die Fischelfamilie.

00:59:31: Das ist dieser jüdische Bankier oder genauer gesagt bankangestellte Mosbrugger.

00:59:36: dann gibt es einen Generalstum von dem wir gar nicht geredet haben also ein general der österreichischen Armee und am Ende Agat so lesen wird diesen Text.

00:59:45: aber das Angebot an die Leser ist immer dass wir in einer genauen Lektüre bewerden Vorlesung halten und dann gibt's eine einschnüge Diskussion die Leser in diesen Prozess der Reflexion hineinbringen wollen, von dem ich geredet habe aber ohne ihnen Hinweise zu geben in welche Richtung sie reflektieren wollen.

01:00:07: Also ich denke tatsächlich dass wenn ich am Anfang gesagt habe das nach meiner Überzeugung heute die Gegenwart ist in der der Mann ohne Eigenschaften zünden kann also nicht bei zehn Millionen von Lesern aber doch bei einer relativ breiten Schicht von intellektuell kultivierten Lesern, dass das eine Einladung zum Denken als eigene Existenzform ist.

01:00:34: Dazu möchten wir den Leser führen und nicht dazu also bestimmte Schlüsse und bestimmte Gefühle der Überlegenheit zu haben denn ich glaube gefühlerte Überlegenheiten der intellektuellen überlegenheit hat auch Musi nicht gehabt.

01:00:48: er war sehr kritisch mit anderen Zeitgenossen aber er hat sich selbst für gescheitert gehalten möglicherweise, weil er den Roman nicht abgeschlossen hat und das bedeutet möglicherweise.

01:01:02: Weil er den romanen nicht in der ganzen komplexität seines versuchs verstanden hat so wie wir ihn heute verstehen können.

01:01:10: ja

01:01:10: wenn sich jemand fragt ein intellektuell neugieriger mensch der aber auch sein zeitbudget im griff haben muss.

01:01:16: er sagt ja professor gumbrecht warum soll ich an diesem seminar teilnehmen?

01:01:23: Was ist die entscheidende Erkenntnis, die ich erwarten kann?

01:01:27: Welches Licht wird mir da aufgehen.

01:01:31: Was antworten Sie dann?

01:01:33: Das Licht was dem Leser aufgehen könnte?

01:01:36: wäre das der Prozess des Denkens sozusagen eine eigene im Leben extenzielle Qualität haben kann ohne auf ein Ziel zugeordnet zu sein?

01:01:50: Das ist auch ein Motiv bei Ulrich, also wir denken ja immer über irgendwelche Dinge nach.

01:01:54: Wie sollen mir das Geld investieren und welches Auto soll ich kaufen?

01:01:58: Und mit wem soll ich mein Abend verbringen?

01:02:00: Das hat immer ein Ziel während die Komplexität des Denkens in das Buch einen verführt denke ich eine eigene Qualität hat.

01:02:16: Also, eine eigene Kualität die sich auch manchmal darin niederschlägt dass ich plötzlich stehe also vor diesem Gebäude wo ich gerade mit ihnen rede und plötzlich kommen mir alle Leute vor wie Musilprotagonisten ja also die sehr demonstrativ über sich und über die Welt reden Und ich denke wie eigenartig was für eine Inszenierung das ist.

01:02:37: Ich denke nicht dass ich jetzt die letzte Einsicht über die welt habe Aber es ist ein Buch, das einen sehr stark in Reflexion, in Nachdenken, in Produzieren von Intellektueller Komplexität als Lebensform hineinzieht.

01:02:55: Und wenn man danach fragt und sagt, okay ich lese das Buch.

01:02:58: Ich werde das mal zu Hause mir anschauen.

01:03:01: und ja warum sollte ich an einem Seminar teilnehmen?

01:03:04: Was würden Sie da sagen?

01:03:06: was macht dieses Seminar zusammen mit Russell Berman speziell?

01:03:10: Was darf man da eben auf keinen Fall verpassen?

01:03:13: Warum sollte man sich beteiligen?

01:03:14: Man könnte das Buch einfach so für sich lesen.

01:03:18: Ja es ist schwer zu sagen jetzt müsste ich ja sagen weil ich so toll bin ja weil Russell Bermann und ich also das besser vorführen können als irgendwelche anderen.

01:03:28: Ich würde schon in Anspruch nehmen, dass diese These von der ich am Anfang geredet habe also das Buch insgesamt und das Musil eine Zeitlichkeit voraussetzt.

01:03:39: Eine Zeitlichkeit, die ich die Zeitlichkeit der breiten Gegenbatten nehme.

01:03:43: In der alles nebeneinander steht, in der es keine Visionen mehr gibt auf die man sich zubewegt.

01:03:48: Eine zeitlichkeit voraus setzt... Die unsere Zeitlichkeit ist?

01:03:54: des umsächsen zwanzig Jahre fortgeschrittenen, einundzwanzigsten Jahrhundert ist.

01:03:59: Aber daraus sozusagen eine Welt beleuchte die immer noch auf Ziele hin, auf Ideologien hin und so weiter orientiert ist.

01:04:08: das meint wir haben sozusagen Wir glauben Russell und ich dass wir eine bestimmte Vorgabe Die bisher noch nicht existiert hat für die Lektüre dieses Romans die mit größerer Wahrscheinlichkeit als bisher dazu führt, dass man den Roman Seite für Seite in seine Ironie, in seinen Beschreibungen, in sein faszinierenden Gestalten genießen kann.

01:04:35: Aber das her ein auch sozusagen als existenziellen Wert eben zu einer inkompetenterer auf höherem Ebene begeisterungsfähiger Reflexion hält.

01:04:55: Professor Gumberich, ganz herzlichen Dank.

01:04:57: und was man sicher erleben wird ist zwei renommierte Stanford-Professoren die sozusagen vom Olymp der akademischen Welt in den Vereinigten Staaten sich ein klassisches Buch der europäischen Kultur- und Literaturgeschichte vornehmen wie so eine Interaktionsstadt findet natürlich zwei Korrifären beim Denken zuzuschauen.

01:05:17: und ich würde allen empfehlen die sich darauf einlassen wollen die sagen das ist ein Ja, vielleicht auch ein Brocken bei dem man eben lieber mit den paar geschulten Köpfen gemeinsam sich daran abarbeitet.

01:05:30: Schauen Sie sich das an.

01:05:31: wenn sie sich da vertiefen wollen meine Damen und Herren ich gebe Ihnen eine Internetadresse an.

01:05:36: Da können Sie das Ganze eine Landingpage www.studymusil.com www.Studymusile.com Und da finden Sie alle weiteren Informationen.

01:05:52: Ich bin gespannt und freue mich.

01:05:54: ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

01:05:56: Herr Professor Gumbrecht, wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

01:05:59: Wir sind gespannt wenn Sie sich mit Musik befasst haben was dann der nächste Schritt sein wird.

01:06:05: Sie haben Büsche geschrieben über Titero, unterschiedlichste Protagonisten aber auch über Phänomene der Zeitgeschichte.

01:06:12: Ganz herzliche Dank Viel Erfolg und bis zum nächsten Mal

01:06:16: auf den Kanal.

01:06:17: Ich hoffe, dass das nächste mal wenn wir über Musel sprechen, ich merke an dem Buchrücken Ihres eigenen Exemplars, dass Sie es auch gelesen haben.

01:06:25: Ja, ich habe noch ein anderes Zuhause in der Kürzerei aber ich gebe es zu, ich hab mich sehr eklektisch durchgebracht und werde mich jetzt inspirieren lassen um mich da in dieser Bildungslücke endgültig erledigen.

01:06:39: Alles Gute!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.