Prof. Christoph Mörgeli über die Demokratiebewegung in Winterthur und die Schweizer Streitkultur
Shownotes
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Prof. Christoph Mörgeli über die Demokratiebewegung in Winterthur und die Schweizer Streitkultur im 19. Jahrhundert, die um ein Vielfaches ruppiger war als heute
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Transkript anzeigen
00:00:08: Grüezi miteinander.
00:00:09: Ich begrüße Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, Spezial Milensteine der Schweizer Geschichte.
00:00:15: Mein Name ist Roman Teller und nehmen wir bereits jetzt schon Professor Christoph Mörgeli.
00:00:19: Wir befinden uns in Winterthur.
00:00:20: hinter uns ist das Stadthaus wenn ich richtig informiert bin aber du wirst mich sicher aufklären.
00:00:25: was ist das Thema der heutigen Sendung?
00:00:27: Grüezie miteinander!
00:00:29: Das ist richtig.
00:00:30: es handelt sich um das Stadhouse in Wintertour und das ist ein ganz bemerkenswerter Bau.
00:00:37: Es hat nämlich diesen Bau niemand geringer konzipiert als der berühmte Architekt Gottfried Semper.
00:00:45: Ursprünglich aus Dresden kam dann als politischer Flüchtling, in die Schweiz war Professor für Architektor an der ETA am damaligen Polit-Technikum und hat ganz markante Bauten hinterlassen – am berühmtesten wohl natürlich die Semperoper in Dresden, dann aber auch das Hauptgebäude der ETA.
00:01:07: Der Reitgenössisch-Technischen Hochschule in Zürich.
00:01:10: und zu den Hauptleistungen gehört zweifellos auch dieses Achtzehnhundertneunundsechzig fertiggestellte Stadthaus in Winterthur war im Begriff eines ich würde meinen Erwachenen Selbstbewusstseins dieser Handels- und Industriestadt in Konkurrenz zum mächtigeren Zürich.
00:01:32: und so gesehen ist dieses Stadthaus wirklich ein Symbol für Winterthur geworden.
00:01:38: Und warum ist es nicht nur ein Symbol für Wintertour, sondern auch ein Meilenstein der Schweizer Geschichte?
00:01:44: Wenn wir von Winterthur sprechen vom politischen Wintertur und diesem Stadthaus dann kommen wir auf die demokratische Bewegung zu sprechen und diese demokratische Bewegung war ausranglich wichtig in den eighteenhundertsechzigern, siebziger Jahren im Kanton Zürich.
00:02:03: in anderen Kantonen, schließlich in der ganzen Schweiz und weit darüber hinaus.
00:02:09: Denn wir müssen bedenken, dass die Vereinigten Staaten von Amerika – der Schweiz – das Zwei-Kammersystem vorgelebt haben hat man übernommen von den USA.
00:02:24: aber umgekehrt hat die Schweiz und ursprünglich war es Winterthur direkt demokratische Elemente in die USA.
00:02:34: Das kann man nachweisen, dass hier die Schweiz direkt Vorbild war.
00:02:38: Nur gerade in einem Dutzend etwa der Staaten, der Gliedstaaten und der Vereinigten Staaten gibt es keine solchen direktdemokratischen Rechte.
00:02:50: Besonders ausgeprägt sind sie in Kalifornien.
00:02:52: Was meinst du konkret?
00:02:54: Welche direktdemokratischen Elemente sind hier in Winterthur entsprungen und haben es dann über ein Teich bis nach Amerika geschafft?
00:03:03: Wir müssen wissen, dass die erste freiheitlich-liberale unabhängige Bundesverfassung, eine rein repräsentative Demokratie vorsah.
00:03:16: Das heißt, die Bevölkerung hatte das Recht, das Parlament zu wählen musste aber für einige Jahre schweigen und die Parlamentarier haben im Wesentlichen die Gesetze gemacht und durchgesetzt.
00:03:30: Und da war man dann mehr und mehr unzufrieden, im Kanton Zürich natürlich vor allem mit der gewaltigen Gestalt dieses Wirtschaftsführers-, Wirtschaftspolitikers- und liberalen Alfred Escher – der große Macht auf sich gezogen hat sei das im Eisenbahnwesen, im Bankwesen oder natürlich auch in der Politik, in Bildungs- und Hochschulwesen.
00:03:55: Und das hat zu Widerständen geführt.
00:03:57: Dieser allmächtige Prinzess, wie man ihn betitelt hat wurde dann enttronnt durch eine Aufstandsbewegung von unten durch diese demokratische Bewegung die gesagt hat wir wollen nicht mehr die liberale Devise alles für das Volk Wir wollen die direktdemokratische Devise Alles Durch Das Volk.
00:04:23: Wer war da Wortführer?
00:04:24: Wer hatte die Idee, dass genau das Volk am Schluss bestimmt fürs Volk vom Volk.
00:04:32: Wer ist der Vater dieser Idee?
00:04:34: Da waren etliche aber es waren v.a.
00:04:37: Wintertour.
00:04:38: zu nennen ist vielleicht Salomon Bläuler Chefredaktor des Landboten ehemals Theologe.
00:04:47: Und dieser Landbote ist als Spracherohr der neuen demokratischen Bewegung aufgetreten, vor allem gegen die liberal gebliebene neue Zürcherzeit und gegen die NZZ.
00:05:00: Da waren enorme Fäden in diesen Ausgehenden in den Neunzehnten und Sechziger Jahren, das begann mit einem Erinnerungstag an den Tag von Uster.
00:05:10: Freiheitliche Bewegungen vom Zweiundzwanzigsten November, Achtzehnhundertdreißig und Achtziehhundertsechzig haben sich sehr viele Menschen versammelt in Uster wieder die mehr Rechte wollten für das Volk.
00:05:24: Was heißt das?
00:05:26: Man wollte direkt bei Sachabstimmungen mitbestimmen.
00:05:31: Man wollte ein Initiativrecht, also dass eine gewisse Anzahl der Bevölkerung Volksinitiativen lossieren können.
00:05:39: Man wollte einen Referendungsrecht, das die Bevölkerung gegen Gesetze einen Referendum ergreifen kann und dann darüber abstimmen kann.
00:05:47: man wollte vor allem auch die Volkswahl der Behörden sprich der Regierungsräte, die oft noch immer durch die Parlamente gewählt wurden.
00:05:57: Auch der Ständeräte, direkte Volkswahl und im Kanton Zürich war mit der demokratischen Bewegung verbunden auch die Gründung einer Kantonalbank weil man sagte man muss eine Bank haben für die Gewerbetreibenden, für die Bauern, für den Kleinen Unternehmer und nicht nur Großbanken wie eine Credit Swiss beispielsweise für die Industrie.
00:06:19: Meine Damen und Herren, bitte verzeihen Sie diesen überfallartigen Unterbruch.
00:06:23: Ich werde das Mikrofon selbstverständlich dem Moderator gleich wieder zurückgeben – doch vorher habe ich noch eine ganz wichtige Durchsage!
00:06:33: Abonnieren Sie die Weltwoche.
00:06:35: Gegensteuer?
00:06:37: Die andere Sicht?
00:06:38: Unabhängig?
00:06:39: Kritisch gut gelaunt seit über neunzig
00:06:43: Jahren?!
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00:06:49: Alle Angaben und Informationen finden Sie unter diesem Video.
00:06:55: vielen herzlichen Dank!
00:07:14: Das Diskussionsklima in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts kann so da ein bisschen die Stimmung der Zeit, den Zeitgeist aufgreifen.
00:07:25: In den Achtzehnhundertsechzigern und Beginnenden Siebzigerjahren war das Klima im Kanton Zürich und auch in anderen Kantonen wirklich enorm vergiftet.
00:07:35: Denn die Machthaber haben natürlich nicht mit Freude ihre Macht geteilt und abgegeben, viele waren auch skeptisch, sagten die Bevölkerung ist nicht klug genug, durchschaut die Gesetzesmaschinerie nicht, entscheidet dann falsch, trifft eben falsche Grundsatzentscheide usw.
00:07:53: übrigens auch Staatsschreiber Gottfried Keller, der berühmte Dichter gehörte anfangs zu den Skeptikern und musste dann zugestehen dass die Bevölkerung eigentlich ihre Rechte mit sehr großer Reife und Verantwortung wahrgenommen hat.
00:08:07: man darf aber auch sagen das die syrkische Volksschule natürlich bereits sehr große Fortschritte gemacht hat in diesen Jahren seit Gründungen des Bundesstaates beziehungsweise der liberalen Erneuerung in den.
00:08:22: Aber Gottfried Keller wurde von der neuen Regierung, den die alte wurde.
00:08:27: ausgewechselt.
00:08:28: Alle sieben Liberalen mussten verschwinden und es kamen sieben Demokraten in den Regierungsrat, Gottfried Keller wurde von diesen Demokraten übernommen weil man wusste was man an ihm hat.
00:08:40: aber die ganze Bewegung war schon verbunden mit Schmähungen mit unglaublichen Presseprozessen Mit Beleidigungen.
00:08:49: Man hat sich alles mögliche unterschoben irgendwelche Affären und unehelichen Kinder und weiß nicht wie Die Herrschenden hier zu Unrecht meistens manchmal auch etwas zu Recht verdächtigt und auch verunglimpft wurden.
00:09:05: Das war wirklich eine unerfreuliche Zeit, Gottfried Keller hat diesen Kämpfen in seiner Novelle das Verlorene Lachen ein Denkmal gesetzt, ein Denkmal für eine fragwürdige Sache.
00:09:18: allerdings er hat sich natürlich auch angeeckelt gefühlt durch so viele Schmähungen, auch persönliche Schmälungen etwa gegen den Aufredescher mit einer gewaltigen Lebensleistung.
00:09:31: Was hat am Ende der Ausschlage gegeben, damit diese Volksrechte durchgesetzt und verankert wurden?
00:09:40: Dass sie heute noch praktiziert worden?
00:09:42: Was hat die Machthaber überzeugt?
00:09:48: Waren das Argumente ein Aufstand?
00:09:52: Es ist ... Der demokratischen Bewegung, ausgehend hier von Winterthur gelungen eine Mehrheit.
00:09:59: der Bevölkerung zu überzeugen, diese Richtung dieser direktdemokratischen Richtung zu folgen.
00:10:06: Es gab dann Zentren hier vor allem im Norden vom Kanton Zürich.
00:10:11: Winterthur natürlich als Stadt.
00:10:13: auch das Oberland war demokratisch geprägt während dem die Stadt Züricher und die Seegegend eher liberal geblieben sind.
00:10:22: aber diese Volksrechte haben sich durchgesetzt in der Kantonsverfassung, die neu ausgearbeitet wurde im Jahr eighteenhundertneunundsechzig verabschiedet.
00:10:34: Und die Situation hat sich dann nach und nach beruhigt weil man sah doch diese direkdemokratischen Volksrechten dass die Bevölkerung letztlich der Gesetzgeber ist und bleiben soll.
00:10:47: das hat sich bewährt.
00:10:48: Wie hat man die Bevölkerungen auf die Seite geholt?
00:10:53: Wie hat man, wie ist man da vorgegangen?
00:10:55: Das ist ja noch weit vor der Zeit.
00:10:57: Wenn man daran denkt, wir machen das heute mit Social Media, Internet, Mail... Wie war es, wie hat man damals vorgegangene?
00:11:04: Eine ganz wichtige Rolle spielte natürlich die Presse.
00:11:07: Also es hat viele Zeitungen gegeben, die auch deutlich geschrieben haben wenn wir heute sagen der Kampf ist schonungslos und das war noch nie so schlimm usw.
00:11:18: sollte man die damalige Presse lesen.
00:11:21: Das war also sehr viel schlimmer Und man hat sich da Titulaturen ausgeteilt.
00:11:27: Ich erinnere mich nur ich erkläre öffentlich Der und der ist ein Sauhund.
00:11:32: Und wer nicht dieser Meinung ist, ist auch ein Sau-Hund usw.
00:11:35: Das war ungefähr die Sprache damals.
00:11:37: Und das waren natürlich dann verbunden mit zahlreichen Prozessen eher Verletzungsprozessen unter ähnlichem... Also die Sache ging nicht so ganz ohne Nebengeräusche von Statten aber letztlich das Ziel war das Richtige und hat sich durchgesetzt Auch in den anderen Kantonen schließlich.
00:11:55: Man muss immer wieder betonen ausgegangen.
00:12:00: Wintertour war natürlich immer etwas heifersüchtig, fühlte sich im Schatten des Mächtigenen syrisch und es gab dann auch in der Eisenpolitik hier eine oppositionelle Haltung.
00:12:11: in dem nämlich Zürich eine eigene Eisenbahnlinie gewissermaßen hatte mit Alfred Escher's Nordost-Bahn.
00:12:19: Das war so der Inbegriff, der Herrenbahn.
00:12:22: eben der alten Machthaber und die Wintertour wollten dem entgegenstellen ihre Nationalbahn und sie haben dann auch Routen geplant, die dann natürlich zürich bewusst umgangen hat.
00:12:35: und das endete in einem finanziellen Desaster in den Achtzehnhundertsiebzigerjahren und die Stadt Winterthur hat noch bis weit ins zwanzigste Hundert hinein.
00:12:48: Abstottern müssen, Schulden die man eben da angehäuft hat mit diesen waghalsigen Eisenbahnprojekten.
00:12:56: Einfach aus dem Gefühl heraus, man muss diesem mächtigen Zürich etwas
00:12:59: entgegensetzen.".
00:13:00: Wie waren die ersten Gehversuche mit diesem direktdemokratischen Instrument?
00:13:06: Das ist ja ein Wagnis das man eingeht, den Volk... quasi Zügel in die Hand geben.
00:13:12: Was, wenn es gut kommt?
00:13:15: Wenn es aber auch schlecht kommt... Ich meine, darüber diskutiert ja beispielsweise auch oder zumindest noch nicht richtig intensiv Deutschland.
00:13:21: Oder kann man dem Volk zutrauen dass das bestimmt?
00:13:25: Wie war das?
00:13:26: In den Anfängen hatte man da vielleicht so Glück, dass eben genau richtig abgestimmt wurde.
00:13:32: War eine Entscheide von Mindertragweite.
00:13:37: Wie waren die ersten direktdemokratischen Gehversuche in der Schweiz?
00:13:41: Natürlich haben die Gegner zuerst gesagt, diese Polemiken, diese Presseprozesse, diese Beleidigungen sind der Beweis dass es nicht funktionieren kann.
00:13:51: und doch wenn's dann konkret ums Abstimmen ging hat man gemerkt, nein die Bevölkerung schaut dafür das die Entscheide in ihrem Sinne ausfallen dass das letztlich wohl besser ist, als wenn die Entscheide einfach im Sinn der jeweiligen Machthaber oder der gewählten Politiker ausfallen.
00:14:11: Das hat sich in kurzer Zeit gezeigt, dass die damalige Bevölkerung – man muss immer sagen es waren erst die Männer – richtig und zukunftsweisend entscheiden.
00:14:23: Und darum hat sich dann auch diese demokratische Bewegung in den anderen Kantonen fortgesetzt Und es ist dann auch zu einer ersten Revision der Schweizerischen Bundesverfassung gekommen.
00:14:37: Es braucht allerdings zwei Anläufe, um diese direkt demokratischen Elemente zu verankern!
00:14:44: Was ist für dich rückblickend oder vielleicht auch gegenwärts betrachtet, was ist für Dich die wichtigste Voraussetzung dass dieses direkt demokratische Element im Volk in einem Staat funktioniert?
00:14:57: Ich glaube die wichtigsten Voraussetzung ist das die Bevölkerung durch die Behörden, durch die Politiker fair und richtig orientiert wird.
00:15:07: Schwierig wird das System wenn die Regierenden nicht mehr bereit sind, die Fakten auf den Tisch zu legen, wenn sie nicht mehr bereit sind Klartext zu sprechen aber eben auch Warenklartext und die Warngegebenheiten auf dem Tisch.
00:15:24: Und wenn man natürlich die Vorlagen so präpariert, dass man sie durchbringt.
00:15:29: Wenn man auch Begriffe gebraucht, die einfach nicht ehrlich sind und eigentliche Kaunerbegriffe sind dann wird die direkte Demokratie sehr schwierig.
00:15:39: Dann geht die Wahrheit und letztlich das Vertrauen der Bevölkerung verloren.
00:15:45: Natürlich, wenn es immer komplexer wird... sind dann die Leute auch mal schnell bereit zu sagen, ach entlastet uns von dem Zeug.
00:15:54: Das sollen die, die wir gewählt haben für unsere Erledigen.
00:15:57: Wir sind da müde und möchten uns nicht vertiefen.
00:16:00: Das ist eine gewisse Gefahr bei den heutigen doch zum Teil recht komplexen Vorlagen.
00:16:06: Stand die direkte Demokratie wie wir sie ab in der Schweiz kennen und mittlerweile, wie sie sich etabliert hat.
00:16:14: Was stammt die eigentlich auch mal auf der Kippe?
00:16:17: Hat man sich da mal wieder überlegt den Volk Rechte zu entziehen oder war das gar kein Thema mehr?
00:16:25: Das war lange Zeit kein Thema.
00:16:28: diese Achtzehnhundert-Siebziger Verfassung hat sich über viele Jahrzehnte gehalten, hatte aber doch Bewerungsproben zu bestehen in den beiden Weltkriegen.
00:16:39: Da haben sich die Behörden etliche Vollmachten genommen um gewissermaßen durchzuregieren.
00:16:46: in diesen Notzeiten das hat man ja noch verstanden.
00:16:49: aber zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrig haben die Behölden diese Rechte nicht mehr dem Volk zurückgeben wollen.
00:16:57: also man hat hier versucht Kompetenzen, die man sich anmaßen durfte beispielsweise im Zweiten Weltkrieg auch über den Krieg hinaus zu behalten.
00:17:09: Weil man so mit Notstandsregime bequemer regieren konnte.
00:17:14: und es gab da eine, ich könnte sagen wieder direkte demokratische Gegenbewegung durch einen eminenten Juristen Giovanni Giacometti angeführt beispielsweise, der sagte jetzt ist höchste Zeit die Volksrechte wieder dem Volk zurückzugeben.
00:17:31: Auch ein Gott libt tutweiler und viele andere waren der Meinung.
00:17:35: es gab aber keine einzige Bundesratspartei die damals die Rechte den Volk zurückgeben wollte und das soll uns lehren wenn sie diese mal weggenommen haben.
00:17:47: Die Politiker geben sich die rechte nicht gern zurück.
00:17:51: Wäre dieses direktdemokratische Verfahren so wie wir es in der Schweiz kennen?
00:17:58: Dieses Element, diese Volksabstimmung ist das exportfähig.
00:18:04: Ist das übertragbar auf andere Staaten oder braucht es dafür die historisch gesellschaftliche Voraussetzungen einer Schweiz?
00:18:15: Wäre das für andere Staate möglich?
00:18:18: Das ist eine schwere Frage und ich bin da eher skeptisch.
00:18:21: Es lässt sich möglicherweise schon nicht einfach eins zu eins übertragen, weil natürlich die Schweiz zum Beispiel eine landsgemeinde Tradition hatte in den alten und gewissen anderen Kantonen wo direktdemokratische Rechte seit Jahrhunderten, seit zwölfhunderteinundneunzig verankert sind.
00:18:40: aber das andere Bevölkerungen ebenfalls nach mehr Mitbestimmung rufen, ist doch auch wieder verständlich und hier wäre durchaus wahrscheinlich mehr möglich.
00:18:52: Auch gerade mit Hinweis auf die Schweiz – und es gibt ja mittlerweile andere Länder wo sich die Bevölkerung doch mehr mit Entscheidungsrechte in Sachabstimmungen wünscht.
00:19:02: Warum ist es aus deiner Sicht immer besser das Volk zu befragen statt nicht?
00:19:08: Es ist halt grundsätzlich so dass viele etwas besser entscheiden als wenige, denn die vielen haben eine Schwarm-Erfahrung, die sehr wichtig ist.
00:19:19: Die vielen schauen auch was für sie nützlich ist und nicht was für die Wenigen nützlich ist.
00:19:26: und so gesehen glaube ich es die direkte Demokratie jedem repräsentativen System eben doch gerechter und kommt besser wenn man das richtig macht und wenn die Voraussetzungen dazu geschaffen werden.
00:19:42: Das haben wir vergessen, es gäbe natürlich noch wahnsinnig viele Facetten.
00:19:46: Du merkst ein wahnsinniges interessantes Thema.
00:19:49: aber was müssen wir vielleicht auch noch über das Wintertour-Stadthaus?
00:19:53: Über die demokratische Bewegung in der Schweiz?
00:19:55: Über diese Demokratie generell wissen?
00:19:59: für diesen Meilenstein der Schweizer Geschichte?
00:20:01: Nach den Kantonen gab es im Bund ebenfalls zu direktdemokratischen Bewegungen.
00:20:06: Man wollte die Bundesverfassung mit direktdemokratischen Elementen versorgen, das ging einher auch mit mehr Zentralisierung beispielsweise in Armee-Fragen, in der Landesverteidigung.
00:20:19: da hat sich gezeigt beim deutsch-französischen Krieg bei der damaligen Mobilisierung dass mit kantonalen Truppen vieles im Argen Liegt, das war die Achtzehn-Siebzig und eine neue Bundesverfassung vorlegte.
00:20:36: War dann allerdings der Widerstand v.a.
00:20:38: gegen solche Zentralisierungstendenzen allzu stark.
00:20:42: V.a.,
00:20:42: die föderaristischen Kantone auch die katholisch-konservativen Kantone, die Verlierer des Sonderbundskriegs von Achtziehn-Sevenhundvierzig haben sich dagegen gewährt.
00:20:52: Und dieser Ansatz kam nicht durch.
00:20:55: Da hat aber der bereits genannte Salomon Bläuler hier aus Winterthur, übrigens die ganze Stadtregierung war natürlich sehr demokratisch ausgerichtet auch der Stadtrat.
00:21:08: Der hat sich bemüht in einer Volksbewegung eine Neufassung vorzulegen dieser Bundesverfassung.
00:21:15: und die ist dann tatsächlich, Eine total revidierte Bundesverfassung mit direkthemokratischen Elementen, nämlich der Einführung des Referendums durch dreißigtausend Stimmbürger oder acht Kantone.
00:21:31: Dann auch mit der Schulpflicht allgemein die ausgebaut wurde sehr wichtig mit den Armee-Teilen.
00:21:38: und warum ist das jetzt plötzlich durchgekommen?
00:21:41: Das hat viel mit dem Kulturkampf zu tun, Unfehlbarkeits Dogma in Lehrbereichen durchsetzte.
00:21:54: Das hat für große Empörung gesorgt, sowohl in der evangelischen Bevölkerung wie auch zum Teil bei den katholischen Mitbürgern.
00:22:04: und als dann eben dieser Kulturkampf entbrannt ist, hat man in diese Bundesverfassung einige, ich sage jetzt mal, Katholiken feindliche Artikel aufgenommen, beispielsweise das Bistumsverbot.
00:22:19: Also das Verbot neue Bistümer zu gründen.
00:22:23: auch die Klosteraufhebungen wurden verschärft oder das Teilnehmen von geistlichen am politischen Prozess des Parlamentarismus auf Bundesebene.
00:22:35: und jetzt sind früher nein Kantone etwa Apenzell-Ausroten oder Graubünden mehrheitlich reformiert.
00:22:43: Und dann auch die ganze reformierte Westschweiz in sieher Halager geschwenkt, sodass diese Bundesverfassung von den Achtzehnhundertsiebzig dann durchkam und sie hielt an bis sie teils revidiert eigentlich nur nachgeführt wurde im Jahr neunzehnteinundneunzehn.
00:23:00: Haben wir das jetzt umrissen?
00:23:01: Oder hast du noch eine Episode, die man wissen müsste?
00:23:04: Wir können vielleicht noch ein Wort verlieren über das Problem von heute, dass jetzt Vorlagen gezimmert werden.
00:23:13: Das war bereits der Fall von dem EWR-Beitritt, mit institutionellen Teilen der Europäischen Union.
00:23:24: zum Gesetzgeber in der Schweiz machen würden, in wesentlichen Bereichen.
00:23:29: Das ist jetzt auch der Fall bei diesen neuen Anbindungsverträgen, die ja wahrscheinlich bis zum Jahr den ganzen Bereich des grenzüberschreitenden Warn- und Personenverkehrs, also die ganzen bilateralen Verträge, Die Wirtschaft betreffenden europäischen Wirtschaftsraum, die würden dann so ausgestaltet, dass tatsächlich die Schweizer Bevölkerung die in wesentlichen Teilen nicht mehr bestimmen würde und auch die Kantone nicht, sondern es wäre dann in diesen Bereichen die Europäische Union, die als Gesetzgeber auftritt.
00:24:12: Und die denn auch das letzte Wort hat – in rechtlicher Hinsicht!
00:24:15: Das heißt wir hätten die fremden Richter des Europäischen Gerichtshofes und das wär natürlich ein erheblicher Einschnitt dieser direkten Demokratie, die hier da wo wir stehen im Winterthur gegründet wurde.
00:24:29: Ich gesagt habe, nicht nur ein Meilenstein war für die Schweiz sondern in wichtigen Teilen auch für die Vereinigten Staaten von Amerika.
00:24:38: Was würden diese Bewegten von damals zu diesen Vorgängen rund um die EU-Verträge sagen, denken machen?
00:24:48: Wie würden die heute reagieren?
00:24:52: Was hast du das Gefühl?
00:24:53: Ich glaube schon, es käme zu Volksversammlungen und Volksaufständen.
00:24:57: Man würde protestieren, dass man hier den Bürgernrechte wegnimmt und sie in eine weit entfernte Zentrale delegiert.
00:25:05: Das ging sicher nicht ohne Volksversamlungen ab.
00:25:10: Damals war das politische Mittel neben dem Presse.
00:25:14: Kämpfen, die Pressekämpfe haben wir heute zum Teil.
00:25:17: Auch aber große Volksversammlungen sind etwas schwieriger geworden weil die Leute natürlich auch durch jahrzehntelangen Wohlstand ein bisschen verwöhnt sind und sie denken nicht mehr dran dass dieser Wohlstand diese Lebensqualität die wir haben, diese weltweit vielleicht günstigsten Voraussetzungen um in diesem Land zu leben.
00:25:38: Dass wir die nicht einer besseren Intelligenz oder mehr Tüchtigkeit verdanken, sondern einzig einer besserem Staatsform – zuerst die Liberale, und dann seit eighteen vierund siebzig die direkt demokratische Freie und marktwirtschaftliche Verfassung, die auch auf Unabhängigkeit und Neutralität
00:25:58: beruhte.".
00:25:59: Liebe Christoph, ganz herzlichen Dank.
00:26:01: Wir künden dieses Thema natürlich noch weit weit vertiefen.
00:26:04: wir belassen es bei dem für heute.
00:26:07: vielen herzliche dank für ihre aufmerksamkeit.
00:26:09: einen wunderschönen samstag ein schönes wochenende und bis zum nächsten mal beim weltwochereal ist spezial und vor allem meilensteine der schweizer geschichte viel dank.
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