«Die AfD macht alles richtig»: Susanne Dagen über Ostdeutschland, die DDR und die Schatzkammer der Literatur

Shownotes

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«Die AfD macht alles richtig»: Buchhändlerin Susanne Dagen über Ostdeutschland, die DDR und die Schatzkammer der Literatur

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Transkript anzeigen

00:00:00: Das merkt man immer wieder, wenn man auf Reisen ist.

00:00:02: Ich meine ich bin nun viel in Osteuropa.

00:00:04: Nirgendwo fühlst du dich so unsicher wie auf deutschen Straßen – in unserem eigenen Land!

00:00:10: Nach dieser großen Zäsur von twenty-fünfzehn nämlich dieser unkontrollierten und eben auch uneingeschränkten illegalen Migration.

00:00:19: ab dem Zeitpunkt hat die AfD eigentlich alles richtig gemacht.

00:00:24: Wenn man eins Merkel zu guter halten muss, dann dass sie uns den März vom Leib gehalten hat.

00:00:28: DDR zwei Punkt Null.

00:00:29: dagegen wäre ich mich weil die DDR war die DDR.

00:00:32: aber es gibt natürlich Mechanismen die ich erkenne.

00:00:35: Was

00:00:35: muss man über den Osten wissen um ihn zu verstehen?

00:00:39: Wie würden Sie den Oßen einem Westdeutschen näher bringen?

00:00:41: Also erstmal würde ich sagen komm her und wenn er das in den letzten thirty-fünf Jahren nicht gemacht hat der besteht vielleicht auch nicht unbedingt das Interesse am Osten.

00:00:55: Grüezi miteinander, ich begrüße Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily.

00:01:00: Spezial.

00:01:00: mein Name ist Roma Zeller und heute haben wir einen hochinteressanten Gast bei uns in der Sendung.

00:01:05: Wir sind nämlich in Dresden oder sitzen beim Buchhaus Loschwitz und Inhaberin Unternehmerin, Buchhändlerin Verlegerin ist Frau Susanne Dagen.

00:01:16: Susannedagen ist die vielleicht berühmteste Buchhändlerin Deutschlands, ziemlich sicher aber die interessanteste Buchhänderin Deutschlands.

00:01:26: Sie ist auch jene Frau, die die Buchmesse Seitenwechsel in diesem Jahr zum zweiten Mal durchführt.

00:01:33: sie findet am siebten und achten November in Hallestadt.

00:01:38: Frau Dagen ganz herzlichen Dank dass sich Zeit nehmen.

00:01:40: diese Buchmesse in Halle findet es das zweite Mal statt.

00:01:44: für alle jene, die noch nie von dieser Buchmesse Seitenwechsel gehört haben.

00:01:49: Was ist das genau?

00:01:50: Was gibt es da zu sehen, zu hören und zu lesen – was ist das?

00:01:55: Zu allererster Linie ist es natürlich eine Buchmessee.

00:01:59: Es gibt viele Bücher, viele Autoren, viele Verlage, sehr viele Veranstaltungen.

00:02:04: Gerade im letzten Jahr hatten wir an den zwei Tagen siebzig Veranstaltung auf fünf unterschiedlichen Bühnen Und das Großartige ist eben gewesen, dass wir auch inhaltlich eine große Breite anbieten konnten.

00:02:18: Es gab ganz kleine Verlage es gab Autoren mit nur ein zwei Büchern, es gab große Verlage.

00:02:24: also insofern haben wir eigentlich die Literatur wieder in die Stadt zurückgebracht nach Halle und haben natürlich auch gezeigt neben einer Buchmesse in Leipzig, neben einer großen Buchmessen in Frankfurt eben auch eine solche Buchmesne durchaus existieren kann.

00:02:44: Dass sie ihr Publikum hat und dass viele Verlage sich präsentieren können.

00:02:48: Und das wäre natürlich auch eine Alternative zu den großen Buchmessen sein können wo eben Ganz viele Verlage, ganz viele Autoren sich nicht mehr so wohl fühlen in irgendwelche Ecken hinein gebracht werden.

00:03:01: Wo sie nicht sichtbar sind und wo sie sich nicht präsentieren können.

00:03:05: Und all denen und noch viel mehr und anderen geben wir hier die Möglichkeit.

00:03:12: Es wird die zweite Buchmäße sein.

00:03:14: Was ist Ihr persönliches Fazit der ersten Buchmäste?

00:03:17: Was hat Sie am meisten gefreut, fasziniert oder begeistert?

00:03:20: Was ist da die wichtigste Erkenntnis von der letzten jährigen Ausstellung?

00:03:25: Ich sage mal so für mich persönlich vielleicht, dass ich es geschafft habe alle mal unter ein Dach zu bringen durchaus aus einem Spektrum was sich als kritisch bezeichnet in jedweder Form aber durchaus eben auch kritisch gegenüber einer Politik wie sie gehandhabt wird.

00:03:46: und natürlich wollen wir wachsen.

00:03:48: Natürlich wollen wir auch jene mit dazu gewinnen die vielleicht bis dato nicht so präsent gewesen sind, aber sich nach dem großen Erfolg der letzten Buchmesse auch trauen auf die Bühne zu gehen, Gesicht zeigen und einfach zu sagen.

00:04:04: Auch ich stehe derzeitigen Politik in Deutschland, in Europa sehr kritisch gegenüber – und ich habe mir dazu Gedanken gemacht und hab dazu ein Buch geschrieben zum Beispiel!

00:04:15: Das wäre jetzt mein Fazit.

00:04:17: Ich habe mit vielen, vielen Leuten gesprochen und wirklich bis zum heutigen Tag die als Besucher da gewesen sind und auch diejenigen, die sich nicht getraut haben als Besuchern zu kommen weil das ist natürlich ein Aspekt dass wir von Anfang an sehr kritisch beäugt worden sind vom Mainstream und der durchaus auch Drohungen ausgesprochen hat.

00:04:36: Wir sehen euch wenn ihr zu dieser Buchmesse geht.

00:04:39: und trotzdem sind über sechstausend Leute gekommen Und die vielen, vielen Beiträge diesem Internet nachzuschauen gab hat natürlich auch noch mal dazu gebracht dass ich glaube millionenhaft wirklich millionenhaft diese Beiträge angeschaut worden sind.

00:04:55: Also hier kommen Leute zu mir in die Buchhandlung die sagen Ich war letztes Jahr mit meiner Freundin da und dieses Jahr sind wir schon zu sechs.

00:05:02: oder es gab auch Leute die gesagt haben dieses Jahr komme ich auf jeden Fall auch selber und so wollen wir auch Schritt für Schritt wachsen.

00:05:11: Wir wollen uns nicht treiben lassen, natürlich ist es einfach zu sagen nach einem solchen großen Erfolg Beim nächsten Mal wird alles noch viel größer und noch viel stärker.

00:05:20: Und wir werden so richtig auf die Pau gehauen, nee!

00:05:23: Wir müssen langsam wachsen, ja?

00:05:25: Und langsam wachsen durchaus auch mit unseren Publikumen und so sieht es eben jetzt schon aus,

00:05:29: ja?!

00:05:30: Wir haben viele, viele Anmeldungen.

00:05:31: Wir haben jeden Tag wirklich viele, vielen Anfragen von Verlagen, von Autoren unterschiedlichster Kolleur.

00:05:39: Das macht mich sehr, sehr glücklich weil ich sage mal der erste Aufschlag ist Glück.

00:05:44: Der zweite muss sitzen.

00:05:46: Es schimmert so ein bisschen in Ihrer Antwort durch.

00:05:48: Das war ja ein unglaubliches Erreignis, hat medial polarisiert und die Menschen bewegt zum Positiven wie aber auch zum Negativen.

00:05:57: Das gab Proteste habe ich gelesen, habe ich auch gesehen.

00:06:00: Unglaublicher Widerstand gegen diese Buchmesse.

00:06:03: können Sie mal einen Stimmungsbild der Reaktionen präsentieren?

00:06:07: Wie war das vor Ort für Sie mittendrin in diesem Sturm?

00:06:11: Orkan!

00:06:11: Auch wütender

00:06:12: Proteste?!

00:06:16: Naja, es nervt natürlich unendlich.

00:06:18: Ja weil die Vorwürfe ja immer die gleichen sind, die ewig gleichen und wenn man's runter definiert ist es ja nichts anderes als der Vorwurf du benimmst dich so wie wir das nicht wollen.

00:06:30: und diese Art, das kenne ich natürlich als DDR-Sozialisierte sehr gut.

00:06:36: auch da war die Gängelei und die Restriktion von Seiten politischen Regierung der Situation in der DDR immer vorgegeben, du darfst das und ganz vieles darfst du eben nicht.

00:06:49: Und das kann ich nicht akzeptieren!

00:06:50: Das will ich auch nicht akzipieren.

00:06:52: und so kommen wir auch nicht weiter miteinander.

00:06:53: und sie haben die Politisierung angesprochen.

00:06:56: ja natürlich leben wir alle sehr stark politisiert.

00:07:01: dennoch müssen wir uns auch immer wieder für unser eigenes Leben sagen es ist nicht alles politisch auch ein normales Leben.

00:07:10: Wir wollen auch selber entscheiden, wo wir unsere private Zeit miteinander verbringen und das darf mal eine Buchmesse sein, das darf ein Kinobesuch sein, es darf auch manchmal irgendwo nur eine Feierlichkeit oder eben auch eine Demonstration sein.

00:07:24: Und genau das wird dir natürlich abgesprochen diese eigene durchaus die eigenen Lust am Widerstand zu sagen Plus, weil ihr das jetzt nicht wollt heißt es noch lange nicht dass ich das nicht mache.

00:07:39: Und insofern war natürlich auch der Gegenprotest einer wie wir ihn kennen.

00:07:44: Es waren eben viele schreiende Jugendliche Es waren viele Fotografen die man auch kennt Das ist so ein bisschen Antifastil Dass also jeder einzelne fotografiert wird, dass dieses Foto irgendwo im Internet abgelegt wird damit man natürlich ein Druckmittel hat.

00:07:59: Und am Ende sollen immer nur Exempel statuiert werden, ja?

00:08:03: Heute bist du dran und morgen ist es eben jemand anderes – und davon müssen wir uns lösen!

00:08:08: Okay dann lassen wir uns halt fotografieren.

00:08:11: aber was soll eigentlich sein?

00:08:12: Man muss glaube ich sehr selbstbewusst sein auch mit dieser sehr aggressiven Art der Ansprache umgehen.

00:08:22: Man muss einfach die Frage weitergeben, sagen ja und was gefällt ihr jetzt nicht an der Buchmesse?

00:08:27: Warst du schon mal drin?

00:08:28: gibt es irgendwelche Verlage von denen du nicht nur gehört hast sondern deren Bücher du auch gelesen hast?

00:08:33: also am Ende hoffe ich dass diejenigen die dort gewesen sind und da ist das erstmal egal ob's Besucher gewesen sind oder ob's Aussteller gewesen sind dass sie eine Kräftigung erfahren haben.

00:08:47: Auch eine Kräftigung zu sagen, so etwas geht!

00:08:53: Es müssen ein paar günstige Dinge zusammenkommen und wenn die günstigen Dinge zusammen kommen dann sind wir geradezu verpflichtet, so was auf die Beine zu stellen.

00:09:03: Können Sie vielleicht da noch einen Ratschlag mit aus dem Weg geben?

00:09:06: Meinen Sie es sind... Buchhändlerin, ich sage jetzt, ich will sie nicht klein machen.

00:09:09: Aber es sind einfache Buchhänderinnen, Sie sind ein Mensch Ostdeutsche... Wie geht man mit so etwas um?

00:09:15: Wenn da wenn das Kracht und Donnert um einen herum, man ist im Auge des Orkans sozusagen wie behalten Sie kühlen Kopf was würden Sie anderen Menschen die vielleicht auch mal in einer solchen Situation natürlich nicht genau gleich aber in einem ähnlichen Situationen was würden sie da raten?

00:09:32: Naja, wir sind ja keine Therapeuten.

00:09:34: Also am Ende kann man nur vorleben und ich sage mal dieser Orkan tuppt ja nun schon seit über zehn Jahren um mich drum herum weil ich eben ganz früh vielleicht etwas blauäugig gesagt habe dass eine Demokratie ganz viel aushalten kann wenn man sie wirklich auch leben möchte.

00:09:51: und dazu gehört natürlich der Widerspruch und dazu gehörten andere politische Meinungen.

00:09:56: insofern es ist ne Temperamentsfrage.

00:09:59: also nicht jeder ist zum Helden geboren, aber wenn die erste Reihe fällt muss die zweite Reihe stehen.

00:10:07: Wenn ich es mal so ausdrücken darf und natürlich muss jeder... Und das ist die eigentliche Aufgabe sein eigenes Leben in die eigenen Hände nehmen ja?

00:10:19: Das meine Ich mit aktiven Leben, dass meine ich mit selbstbewussten Leben und das meine ich auch mit reflektierten Leben und ich glaube Wir werden alles sehr alt.

00:10:29: Und es muss ja einen Sinn haben, warum wir so alt werden.

00:10:32: und da dürfen sich auch mal ein paar Dinge im Leben ändern und klären.

00:10:36: Da darf es auch biografische Brüche geben.

00:10:38: Wichtig ist nur wie man aus diesen herausgeht.

00:10:41: Und da kann ich eben nur sagen macht das was ihr für richtig haltet.

00:10:47: Gerade in der heutigen Zeit wo der Konformismus natürlich wieder fröhliche Feste feiert, ist es umso notwendiger Nicht unter der bedingungslosen Hervorhebung des individuellen, aber eben genau das auch immer für sich in Anspruch zu nehmen.

00:11:03: Es ist mein Leben und es ist mein Ding.

00:11:06: Und solange niemand anders zu Schaden kommt – ich glaube durch eine Bruchmesse kommt niemand anderes zu Schadenschaden – dann sollte man die Dinge einfach tun.

00:11:15: Nehmt's in die Hand!

00:11:16: Es liegt eigentlich alles auf der Straße nur Mut.

00:11:19: Was ist in diesem Jahr die Stimmung?

00:11:22: Ist es ein bisschen normal, hat sich das Klima ein bisschen beruhigt?

00:11:29: Werden immer mehr Schriftsteller und Autoren aufmerksam auf ihre Messe.

00:11:34: Ist der Gegenwind geringer?

00:11:36: Wie ist es in diesem Jahr bezüglich Protest, Gegenwind oder Reaktion?

00:11:41: Es ist etwas anders als im letzten Jahr.

00:11:44: Im letzten Jahr begann es schon im Zuge der Leipziger Buchmesser, also im März, dass man vor allem medial ein großes Geschütz aufgefahren hat gegen uns und sofort bereit war eine Markierung unserer Initiative vorzunehmen.

00:12:01: Wir waren sofort ne rechte Buchmesse, da konnte ich also schwatronieren über alternativ ergänzend oder sonst was.

00:12:06: Also die Fokussierungen und auch die Zuschreibung war sofort klar.

00:12:12: Darüber sind wir hinaus.

00:12:14: aber man darf natürlich nicht außer Acht lassen dass gerade im Osten in einer sehr angespannten politischen Situation derzeit sind und das liegt natürlich an den Landtagswahlen.

00:12:23: Und es liegt vor allen Dingen natürlich auch an der Landtagswahl am sechsten September, in Sachsen-Anhalt die ja nun zwei Monate vor unserer Buchmesse ist.

00:12:33: Also ich habe so den Eindruck, man hebt sich ein bisschen die schwersten Brocken, die stärksten Kanonen jetzt erstmal auf um erst mal zu gucken was passiert?

00:12:46: Was passiert denn am sechsten September in Sachsen-Anhalt?

00:12:49: haben wir dann nicht vielleicht im November schon einen Ministerpräsidenten von der AfD?

00:12:56: Wird es nicht dann so sein, dass unter Umständen gegen Proteste nicht mehr diese Finanzierung erfahren wie es bis dato natürlich auch gewesen ist?

00:13:03: Wir müssen ja immer davon ausgehen gehen das dafür die Geldtöpfe gerade mit dem Programm Demokratie leben.

00:13:11: Immer sehr weit geöffnet werden?

00:13:13: also insofern ist die Situation schlechter und die Situation ist gleichermaßen besser.

00:13:20: was man natürlich merkt ist dass eine große Verängstigung im Kulturbetrieb da ist Und zwar hat das natürlich mit jedem Einzelnen zu tun und das erinnert mich auch ein bisschen an die Situation nach dem Zusammenbruch der DDR, dass natürlich auch da wiederum die Künstler, die ja als Kulturschaffende betitelt worden sind.

00:13:44: Auch im Begriff jetzt immer wieder im Munde geführt wird, ohne dass die meisten wissen wann denn der Begriff geboren wurde.

00:13:52: Ich versuche das ja immer noch mal ein bisschen weiterzudrehen – die Schraube in dem ich sage ist ein Kulturanschaffende weil sie im Sinne einer entsprechenden Doktrin und im Sinne oder im Dienste stehen.

00:14:03: Und die wissen sehr genau wie es ist wenn man nur einen Schritt in die falsche Richtung macht.

00:14:11: Ich halte das natürlich für falsch gerade in dem was ich vorhin gesagt habe, weil ich für ein selbstbewusstes aktives Leben plädiere.

00:14:18: Aber am Ende sind es nie die Schauspieler gewesen und auch nicht die Autoren und vor allem nicht die Intellektuellen, die einen System zum Fall gebracht hat.

00:14:28: Wie lautet eigentlich ihr Ziel?

00:14:30: das Urmotiv hinter dieser Buchmesse?

00:14:35: Das Urmotif – und das meine ich ganz ernst ist Normalität, Gemeinsamkeit Widerstand gegen Konformismus.

00:14:49: Wir haben hier das Schreckgespenst des Universalismus, was über uns als da Mokles Schwert geradezu schwebt.

00:14:56: Das heißt jeder Mensch ist gleich!

00:14:59: Das heißt aber dass wir im Sinne eines konformistischen Gedankens wieder mal – das ist ja alles nichts Neues – geprägt werden sollen.

00:15:08: Das sind die schrecklichen Utopien des zwanzigsten Jahrhunderts und Ich hoffe, dass wir mit dieser Initiative – und das kann nur der Anfang sein.

00:15:16: Und ich rufe wirklich jeden Einzelnen auf, selber initiativ zu werden!

00:15:23: Ich hoffe daß wir mit diese Initiative gezeigt haben es geht auch anders Ohne dass man hier das Rad neu erfindet, überhaupt nicht.

00:15:32: Sondern dass wir uns auf das besinnen was ist und letzten Endes haben ja auch ein Buch gemacht Kultur von rechts Was keine Handlungsanweisung ist sondern ganz im Gegenteil es zeigt worauf Wir füßen Und wir fußen durchaus Darauf Dass wir den anderen in seiner andersartigkeit anerkennen dass wir ihn respektieren dass wir ihnen tolerieren Aber dass wir ihm natürlich auch lassen.

00:16:00: Wie gehen Sie?

00:16:01: Leben sie das auch, was Sie jetzt sagen?

00:16:03: Gehen Sie aus Ihrer Sicht oder aus dieser andersdenkenden Sicht.

00:16:09: Gehen sie auch auf Andersdenkende zu bzw.

00:16:12: gehen Sie auch auf linke Verlage und Toren Schriftstelle hinzu.

00:16:16: Wie handhaben Sie das?

00:16:18: Und was ist auch das Feedback, wenn Sie so jemanden anfragen?

00:16:21: Wenn sie es denn überhaupt machen.

00:16:23: Wie ist die Deurungang und wie ist da die Resonanz?

00:16:26: Ich habe es natürlich im letzten Jahr viel stärker gemacht weil ich wirklich über dreihundert Verlage durchaus aus dem Mainstream-Spektrum und auch aus dem Linkenspektrum, weil das gehört natürlich ganz genau so mit dazu ja angesprochen habe.

00:16:39: viele haben sich oder sehr sehr viele haben nicht gemeldet Einige haben zurückgeschrieben, freundlich und wiederum andere waren sehr prüskiert.

00:16:49: In diesem Jahr ist die Situation ein bisschen anders.

00:16:52: auch da gibt es einzelne Verlage, die sage ich mal von ihrer Programmatik und von ihrer kritischen Sichtweise uns eigentlich sehr ähnlich sind dass die sagen, naja wir würden schon gerne kommen aber dann machen uns unsere Autoren die Hölle heiß.

00:17:12: Es gibt ja einen Verlag der Westendverlag zum Beispiel, der ein hervorragendes kritisches Sachbuchprogramm pflegt und der aber jetzt also insofern entsprach das auch der Wahrheit.

00:17:25: dieser Gedanke oder diese formulierte Angst letzten Endes, wo es eben auch so gewesen ist dass sich glaube dreißig Autoren sich gegen den Verleger gestellt haben weil er einen Buch mit Ralph Schuler und von Pauline Foss gemacht hat die ja nun bekanntlich von Yous sind.

00:17:45: Und was natürlich ein großer wirtschaftlicher Erfolg gewesen ist für diesen Verlag.

00:17:53: Das hat natürlich überhaupt keinen Nachhalt gebracht aber das war letzten Ende genau das, wofür es auch stehen sollte.

00:18:00: Es ist eine Machtdemonstration und diese Art von Machtdemostration verfängt sich noch insofern.

00:18:06: ich habe da eine große Ruhe und ich kann dadurch aus Lange auch darauf warten.

00:18:12: Ich hab ja vorhin gesagt wir wachsen langsam.

00:18:15: Ich weiß ziemlich genau dass wir im Laufe der nächsten Jahre auch viele sich als linksverstehende, ich möchte es mal ganz vorsichtig formulieren.

00:18:24: Sich als links verstehenden Verlage auf der Messe präsentieren können.

00:18:29: aber das braucht Zeit und vielleicht braucht es auch und darauf steuern.

00:18:34: wenn nun hinzu braucht es eben auch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch der sich in jeder Branche mehr oder weniger meistens mehr zeigt.

00:18:45: Und da ist natürlich die Buchhandels- und Verlagsbranche eine Brangische, die sehr abhängig ist, sehr abhängig agiert.

00:18:52: Wir haben natürlich die brankischen Zahlen und wir sehen das seit einigen Jahren sich zu den Buchhandlungen oder Buchhändler entschlossen haben ihre Buchhandlung zu schließen – und dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht aus politischen Gründen!

00:19:07: Also insofern werden wir noch bewegende Zeiten vor uns haben.

00:19:12: Im besten Falle ist man vorbereitet, aber man ist natürlich nicht auf alles vorbereitet und nur so wächst man wenn es Situationen gibt die scheinbar aus dem nichts kommen.

00:19:22: Aber es kommt nichts aus dem Nichts!

00:19:25: Man muss sehr gut beobachten.

00:19:27: Sie sind jetzt seit über dreißig Jahren Buchhändlerin, seit glaube ich auch über zwanzig Jahre Verlegerin Beispiel mit dem Westend-Verlag geschildert.

00:19:36: Wie nehmen Sie eigentlich generell diese Stimmung wahr in der Bundesrepublik?

00:19:40: Ist da eine sich zuspitzende Ideologisierung, ein verherrtertes oder immer mehr ein zunehmendes Grabendenken wahrnehmbar?

00:19:52: löst sich da irgendetwas?

00:19:53: wie nehmen sie generell das ganze?

00:19:57: die Stimmungslage in Deutschland war?

00:19:59: Ja also Sie sagen es natürlich schützen Grabenmentalität Keiner gesteht dem anderen irgendwas zu.

00:20:06: Auch das ist natürlich etwas, was dazugehört, was falsch ist.

00:20:11: Aber natürlich wird es immer schlimmer aber damit wird es eben auch immer sichtbarer und ich glaube viele Dinge über die wir in den letzten Jahren noch sehr abstrakt gesprochen haben in Vorträgen und auch in Podiumsdiskussionen sind jetzt in der Realität angekommen und die Realität ist immer die letzte Instanz.

00:20:39: Das ist problematisch, weil das natürlich auch bedeutet dass der Mensch nur um Schmerz lernt und zwar im eigenen Schmerzen und wir gehen natürlich in schmerzhafte Zeiten Und am Ende ist es immer eine existenzielle Situation, die die Leute wieder zusammen gebracht hat.

00:20:59: Es gibt gute Beispiele, die eben auch gut ausgegangen sind.

00:21:03: Aber es gibt eben auch schlechte Beispele.

00:21:06: Ob wir das Ruder wirklich nochmal umreißen können?

00:21:09: Das glaube ich nicht.

00:21:11: und ich glaube auch nicht wirklich dass ein Umdenken stattfindet.

00:21:15: Ich glaube, dass wir hier in einer Zeit von zyklischer Veränderung leben.

00:21:20: Wir wissen, Intervalle gibt, die wahrscheinlich auch immer gleich sind in den gesellschaftlichen Situationen sich verändern bzw.

00:21:33: Gesellschaften zusammenbrechen.

00:21:35: aber ich betrachte natürlich auch mit Sorge Ungarn zum Beispiel wenn eben jemand anders gewählt wird der nicht bereit ist mit der Opposition zusammenzuarbeiten oder sie als Opposition anzuerkennen, sondern sie von vorne bis hinten bekämpft.

00:22:01: Und ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist und ich habe ein bisschen Sorge, dass die Erfahrungen, die man gemacht hat als jemand, der widerständig ist, der sich auch als wiederständig zeigt, wenn der Wind sich dreht hier mit Restriktionen zu agieren, die ich für genauso falsch halte.

00:22:29: Also mein Ansinn – ich habe es ja vorhin schon formuliert – ist eben durchaus uns als gemeinsames Volk mal wiederzu verstehen mit den unterschiedlichen Erfahrungen, die man gemacht hat, mit den verschiedenen Biografien und da ist natürlich Deutschland ein absoluter Sonderfall eben durch die unterschiedlichen vierzig Jahre in denen man in Ost- und Westdeutschland geteilt worden ist.

00:22:58: Und genau hier setzt ja eigentlich die Literatur ein, dass gewisse Probleme Sehnsüchte vielleicht auch Perspektiven formuliert werden können das der Finger in die Wunde gelegt werden kann mit stilistisch unterschiedlichsten Mitteln.

00:23:18: wie steht es aus ihrer Sicht?

00:23:21: um die deutsche Literatur.

00:23:22: Was ist da interessant?

00:23:24: Was ist weniger interessant, was ist wichtig und was ist unwichtig?

00:23:30: Geben Sie uns vielleicht einen grobten Überblick.

00:23:33: Wie steht es um die deutschen Literatur in stürmischen Zeiten?

00:23:40: Die Kunst in finsteren Zeiten sagen wir mal so über Kunst zu sprechen wäre wahrscheinlich noch mal ein ganz anderer Gesprächsinhalt.

00:23:49: Was ich merke, ist dass es eine Renaissance des Lebens lesens gibt durchaus und interessanterweise auch einer Renaissance des Bücherlesens also nicht nur im Internet lesen und nicht nur um entsprechende Informationen zu bekommen sondern wirklich um Inhalte und Tiefen auszuloten.

00:24:14: das bemerke ich durchaus.

00:24:17: was ich natürlich gleichermaßen bemerke, dass die Kunst sich da nicht unbedingt mitentwickelt.

00:24:23: Weil wenn sie wirklich Kunst ist, nicht vom Zeitgeist abhängig ist und insofern waren es nie viele, die wirklich Kunst betrieben haben mit ihrer Literatur.

00:24:39: Wir haben ein sehr, sehr breites geradezu unüberschaubares Spektrum von Vollkommen uninteressanter Literatur.

00:24:49: Von Realitätsbeschreibung, von Zustandsbeschreiben, von Problemen die eher zeitgeistlich konnotiert sind.

00:25:00: Das ist vollkommen uninteressant und das wird auch nicht bleiben.

00:25:04: Aber es blieb immer nur dass wenige Es bliebe immer nur das Tiefe Und ich habe jetzt gerade ersten Buch gelesen übrigens von einem Schweizer Verlag vom Diogenesverlag der ja Das gebe ich unumwunden zu, für wirklich gute Unterhaltung steht.

00:25:20: Aber es war ein Buch von über vierhundertfünfzig Seiten, was ich reingefressen habe mit dem ich am Ende nicht ganz zufrieden gewesen bin.

00:25:27: Was aber eine Thematik angesprochen hat nämlich Vertreibungen der Sudeten-Deutschen aus der Tschechesloberkei und das kann Literatur.

00:25:34: Literatur muss diese schwarzen Löcher, diese blinden Flecken aufnehmen ohne einen Zeitgeist bedienen zu wollen und sie im besten Falle dann auch erzählerisch so zugrundieren, dass es Nachgeborene lesen wollen.

00:25:53: Also insofern ich bin nicht diejenige, die das Ende der Kunst propagiert aber ich glaube wer ein Künstler sein will fängt jeden Tag von neuem an seine Kunst zu verteidigen nämlich gegen das was von außen kommt.

00:26:14: Das soll eben nicht die Schützengrabenmentalität sein, sondern das ist das was ein Künstler immer machen musste für sich zu sein durchaus im Stillen zu agieren aber sich als Künstlern immer noch begreifen zu wollen und nicht als Sprachrohr irgendeiner politischen Richtungen.

00:26:31: Das ist schwer in der derzeitigen Situation.

00:26:34: Aber es gibt es gibt immer Leuchttürme Und sie werden bleiben und am Ende nennt man genau das Weltliteratur.

00:26:40: Darf ich kurz fragen?

00:26:41: Was ist derzeit maßlos überschätzt, was wird zu unrecht hochgejubelt?

00:26:47: Was ist in den Feudons total angesagt?

00:26:50: Hip-In wird herrlich im Empor geschrieben.

00:26:54: Ist aber aus ihrer Sicht komplette Wursche!

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