Meilensteine: Prof. Mörgeli über das Kloster St. Johann, romanische Perle im Val Müstair

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Meilensteine: Prof. Mörgeli über das Kloster St. Johann, romanische Perle im Val Müstair

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Transkript anzeigen

00:00:09: Ich begrüße Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily.

00:00:13: Spezialen Meilensteine der Schweizer Geschichte, mein Name ist Roman Zeller und nehme mir bereit schon Professor Christoph Mörgli.

00:00:20: Wir sind weit gereist, weit in ein Tal das Fernab von den großen Städten der Schweiz liegt.

00:00:27: es ist das Wallmüsteier.

00:00:29: eine beeindruckende Kulisse um uns herum einen beeindruckenden Zugang zu diesem Tal Eine Straße die sich durch Ein Tal schlängelt und eben hierher führt ins ja hinterseh-und letzte Tal.

00:00:44: Könnte man fast meinen, lieber Chris?

00:00:46: Was machen wir hier?

00:00:48: Grüezi miteinander!

00:00:49: Hinterst und letzt würde ich nicht sagen es ist ja außerordentlich reizvoll was sich hier als Kulisse vor unseren fast unglaubigen Augen abspielt.

00:00:59: Wir stehen in mitten unberührter Natur auf einer grossen Wiese Und hinter uns steht ebenso praktisch unberührt eines der bedeutendsten mittelalterlichen romanischen Kunstwerke, der Kunstgeschichte überhaupt.

00:01:17: Nämlich das Kloster Müsteier, dass Kloster Sankt Johann hier im romanischen Sprachigen Münsterthal.

00:01:26: Seit wann gibt es dieses Kloster-Sankt Johan?

00:01:30: Wer hat das gebaut und in welchem Jahrhundert, in welchem Jahr konkret?

00:01:35: Die Legende will wissen, dass Kaiser Karl der Große also zum König der Langebarden gekrönt wurde.

00:01:43: Über den Umbreilpass zurückkehrte in ein fürchterliches Wettergeriet und versprochen haben soll er wolle ein Kloster stiften.

00:01:52: Hat dieses Wetter überlebt, hat dieses Kloster auch gestiftet?

00:01:57: und möglicherweise ist die Geschichte mehr als nur eine Legende.

00:02:02: Denn gewisse wissenschaftlich Untersuchungen von Holzbestandteilen haben das Jahr siebenhundertfünfundsiebzig ergeben was also durchaus für diese Gründung durch Karl den Großen sprechen könnte.

00:02:18: Wofür hatte es gestifted?

00:02:20: Was war Sinn und Zweck ursprünglich.

00:02:24: Es war eine Gründung für Benediktiner, Mönche vorerst.

00:02:29: später sollten dann über Jahrhunderte hinweg Benediktin erinnern dieses Kloster beleben.

00:02:36: Er hatte mehrere Gründe dieses Kluster zu gründen.

00:02:40: da war einmal das wirtschaftliche Interessen diese wichtigen Handelswege auch ins Südtirol Dann aber auch ins Engadin in die Lombardei.

00:02:53: Das war außerordentlich entscheidend und er wollte hier, dass eben die Handeltreibenden eine gewisse Herrberge finden, verpflegt werden.

00:03:03: Dann war es natürlich geistliches Zentrum der Christianisierung – das war entscheidender und machtpolitischer Stützpunkt selbstverständlich für den Herrschaftsanspruch des römisch-deutschen Kaisers.

00:03:17: Wie lange dauerte es, bis diese Vision realisiert werden konnte?

00:03:22: Wir wissen nicht ganz genau am Anfang wie viel gebaut wurde.

00:03:28: Das ist recht schwer zu sagen aber wir wissen dass die Mauerwerke ausordentlich alt sind und wirklich in die romanische Zeit zurückgehen und das war dann ja von Benediktinern Belebt als Kloster, es ging dann zum Teil sehr gut.

00:03:49: Mit vierzig Mönchen an der Seite gab's dann auch wieder Krisenzeiten so dass der Bischof von KUR, der nach und nach die Kontrolle über dieses Kloster erhielt, entschieden hat im Jahr elfhundertunddreiundsechzig das ist ein Benediktininnenkloster werden soll – die Nonnen!

00:04:12: lebten, arbeiteten, beteten nach den Regeln des Heiligen Benediktora et Labora, beten und arbeiten.

00:04:20: Und sie haben das bis heute getan kontinuierlich ohne Unterbruch.

00:04:26: Weiß man warum der Bischof von Chur hier ausschließlich Frauen beherbergen wollte?

00:04:32: Es geht letztlich darum dass das Kloster für Männer offensichtlich an Attraktivität verlor ursprünglich vor allem Adelige, Mönche die hier eingetreten sind später auch Adlige Frauen dann.

00:04:50: Aber es war schon so das aus verschiedensten Gründen politisch auch religiös, dass Interesse nicht mehr so da war am männlichen Nachwuchs hingegen bei den Frauen nach wie vor.

00:05:05: Und so hat der Bischof so entschieden.

00:05:08: er hat dann dieses Kloster immer über Jahrhunderte als Sommersitz benutzt und ist gerne im Sommer hierhergezogen.

00:05:17: War das ein guter Entscheid?

00:05:19: Florierte dieses Kluster?

00:05:23: Das war sicher ein guter Entscheid, denn die Norden haben sich außerordentliche Mühe gegeben.

00:05:31: Es hat unglaubliche Kunstwerke im Innern dieses Klosters, die übrigens noch nicht allzu lange wieder entdeckt wurden und die sind zum Teil schon in der Männerzeit entstanden Zum Teil aber dann eben auch unter der Herrschaft von Benediktinerinnen.

00:05:51: Wir sehen den berühmten Plantaturm, einen Wehrturm benannt nach einer Eptissin.

00:05:59: Das ist offensichtlich der älteste bewohnte Wehrturm im Alpenraum also ein wahnsinnig interessantes Ensemble das zu dieser Kirche St.

00:06:13: Johann und zum Klosterbereich dazu kommt.

00:06:16: Gibt es eine Blütephase dieses Glossers, eine Hochzeit sozusagen?

00:06:21: Die Hochzeit war sicher in den Anfangszeiten hier und es wurde dann zum Teil auch wieder etwas stiller.

00:06:30: Vor allem war eben die Lage hier außerordentlich exponiert beispielsweise im Schwabenkrieg von fourteenhundertneunzig als die Bündner gegen Habsburger Kaiser Maximilian ins Feld zogen, da haben die Österreicher dieses Kloster wirklich massivst zerstört und haben schwere Verunstaltungen hier verantwortet.

00:07:02: Es wurde aber dann durch die Hartnäckigkeit der Nonnen wieder neu aufgebaut, was XIV-XIX zerstört wurde.

00:07:10: Eine weitere große Herausforderung war dann die Reformation.

00:07:14: Das obere Münstertal wurde reformiert und das ganze Engadin wurde reformierend.

00:07:20: Hier war gewissermaßen eine katholische Enklave, die auch immer wieder unter Druck kamen.

00:07:26: Und es wurde im Laufe der Neuzeit zu einem Ehr abgeschiedenen, stillen Kloster also nicht mehr gewissermaßen Mittelpunkt der auperländischen Welt.

00:07:39: Sondern diese Nonnen haben unter Führung Anleitung des Bischofs von Kur einigermaßen dann doch ihre Zeit hier verbracht und haben auch dieses Kloster in seinem Betrieb in erstaunlicher Weise weitergeführt und ohne Unterbruch eben bis in die heutige Zeit gebracht.

00:08:03: Vielleicht muss man frühe Schenkungen erwähnen, was den Höhepunkt betrifft.

00:08:07: da gab es Schenkung der verschiedenen Bischöfe von Kur Da gab es aber auch Schenkungen der Herren von Taras oder eben auch der Grafen aus dem Tirol im Mittelalter so dass dieses Kloster Besitzungen hatte an verschiedenen Orten der Südtirol beispielsweise sogar im Öztal nach und hier in Münstertal ohnehin.

00:08:34: Wie konnte der Kontakt zum Bischof von Kur aufrecht erhalten werden?

00:08:40: Wir haben diese Straße abgefahren, es ist ein weiter Weg nach Kur, ein beschwerlicher Weg wenn man an die Zeit damals zurückdenkt.

00:08:50: wie war das überhaupt möglich dass dieses Tal währenddem sich alles andere reformiert hat eben nicht reformiert hat.

00:08:58: Ja, es war tatsächlich schwierig hierher zu gelangen.

00:09:02: Das waren Tage lange Reisen die man auf sich nahm.

00:09:06: das waren sehr beschwerliche Reisen und man blieb dann natürlich auch nicht ein zwei Tage sondern hat dann doch einige Wochen wenn ich Monate hier verbracht bevor man wieder zurück ging der ganze bischöfliche Hofstart jedenfalls alle die mit kamen.

00:09:24: aber wir müssen von Beschwerlichsten Verkehrstechnischen, Verkehrswegen ausgehen.

00:09:31: Das war sicher eine außerordentlich aufwendige Geschichte.

00:09:34: Und ab dem sechzehnten Jahrhundert – was lief da?

00:09:38: Wurde das Tal sukzessive belebt und besiedelt?

00:09:42: Wie lief es da ab?

00:09:43: Das Tal war schon besiedlt aber es war immer dünn besiedelte.

00:09:47: Es war dann eigentlich nicht eine blühende, sagen wir Talschaft.

00:09:54: Sondern es war wirklich recht abgelegen, obwohl die Passstraßen hier eine Bedeutung hatten.

00:10:01: Es gab auch entsprechende Herbergen das schon, es gab einen gewissen Verdienst aber die Münstertaler waren materiell also nicht auf Rosen gebetet.

00:10:11: Das war nicht ganz einfach in diesem Tal wenn eben nicht der Transithandel gewesen wäre, der eine gewisse Bedeitung erlangte und die Nonnenführer wie ich gesagt habe, ein doch recht stilles Leben und das Kloster kam dann etwas aus dem öffentlichen Interesse bis um etwa nineteen Hundert die Kunsthistoriker sensationelle entdecken macht.

00:10:37: Wollte

00:10:37: ich gerade fragen was ist die Schaffenskraft dieses Klosters?

00:10:41: Gibt es da irgendetwas das besonders herausstiegt bemerkenswertes?

00:10:45: Bemerkenswert ist vor allem dass man offensichtlich zum Glück Die Mittel und das Geld nicht hatte hier aufwendigst zu bauen.

00:10:55: Man hat das Kloster nicht barockisiert, man ist nicht zu einer neugotikübe gegangen oder gar zu moderneren Geschmacksrichtungen des neunzehnten Jahrhunderts usw.

00:11:11: Also das Kloster ist in seinem Bestand so geblieben, nicht zuletzt eben weil diese Nonnen sehr einfach gelebt haben.

00:11:20: sie haben sich mit Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt gestaltet und Sie hatten wirklich nichts zu viel.

00:11:28: Und das hat sich im Nachhinein als großes Glück erwiesen, denn aus dem Um-Ninzehn-Hundert Kunsthistoriker sich für diesen Bau zu interessieren begann.

00:11:38: Man hatte auch das Glück, dass die alten Malereien verdeckt waren durch weißen Putz und zwar über lange Zeit.

00:11:50: So war eben diese Malerei noch immer dann vorhanden, man konnte sie wieder freilegen.

00:11:58: Sie wurde auch neu entdeckt durch gewisse perspektivische Einfälle und Lichteinfälle so dass also diese Forscher um nineteenhundert dann hell begeistert waren über das was sie sahen nämlich Fressken, Abbildungen, Illustrationen zur heiligen Geschichte aus der Zeit von Karl dem Großen.

00:12:22: Und das war natürlich etwas ganz Ausrundliches, wenn man hier aus dem achten neunten Jahrhundert solche Fresske sieht.

00:12:30: Es gibt auch Spätere die sehr bedeutend sind und das hat natürlich die Forschung wirklich beflügelt.

00:12:38: dann vor allem im zwanzigsten Jahrhunderte.

00:12:40: Inwiefern?

00:12:41: Willing geschlagen gab es auch Schlagzeilen bis über die Landesgrenzen hinaus.

00:12:46: Wurden Auszeichnungen verlieren, besondere Schutzstate für dieses Kloster?

00:12:51: Ja vor allem ein wichtiges Jahr, neunzehn oder dreieinhalbzig noch nicht so lange her.

00:12:57: da wurde das Kloster Als Ensemble, als Gesamtes ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.

00:13:06: Das war ein wichtiger Meilenstein.

00:13:08: selbstverständlich untersteht das Kloster jedem möglichen Schutz dem eidgenössischen, den kantonalen und so weiter.

00:13:17: da darf also nur mit strengsten Auflagen irgendetwas verändert werden.

00:13:23: Und es sind noch immer einige Nonnen Hier, Benediktinerinnen etwa im Alter von sechzig bis neunzig Jahren.

00:13:33: Es sind glaube ich noch acht und sie bemühen sich sehr dieses Kloster auch attraktiv für Besucher zu halten.

00:13:42: Es kommen Zehntausende von Besuchern jedes Jahr dürfen ein Museum erleben.

00:13:48: Es wird alles wunderbar erklärt, das ist alles ausgezeichnet ausgeleuchtet beschriftet und beschrieben.

00:13:56: also es lohnt sich wirklich einen Besuch in diesem Kloster.

00:14:00: Sankt Johann in dieser Beziehung und in jeder Beziehungen denn ein Bau der auf Karl den Großen zurückgeht findet man nicht so schnell.

00:14:10: was ist die Religiöse, die katholische Bedeutung dieses Kloster.

00:14:15: Es gibt es überhaupt heute

00:14:17: immer noch?

00:14:17: Selbstverständlich das Kloster ist Messeort hier wird eine Messe gefeiert Hier kommen regelmäßig Geistliche und Predigen auch hier sind natürlich zuständig als Geistlichen Betreuer der der Benediktinerinnen und der Ort hier, Müsteier ist katholisch geblieben als Ort in diesem sonst zumeist reformierten Münstertal.

00:14:45: Also die geistlich-spirituelle Bedeutung dieses Klosters ist nach wie vor vorhanden und es ist eben auch ein einzigartiger Kulturknotenpunkt könnte man mal sagen einen Kultur Highlight dass in dieser abgeschiedenen Gegend, sonst wahrscheinlich kaum je findet.

00:15:07: Und so ist das natürlich auch sehr wichtig für den Tourismus der auch eine Rolle spielt hier im Münstertal.

00:15:14: neben Sport aller Art kann man eben hier auch geistig religiös und kulturell dem Genuss fröhnen vor allem was in und um dieses Kloster Sankt Johann herumgeht.

00:15:28: Kannst

00:15:28: du vielleicht noch etwas übers Volme Steyr sagen?

00:15:31: Ist ja glaube ich direkt oder direkt an der italienischen Grenze geht dann weg Richtung Bozen, habe ich gesehen unterwegs.

00:15:40: Was kann man sonst über das Val-Mystère noch sagen?

00:15:42: Ja, das Val Mystère grenzt dann hier wo bald schon die Grenze kommt nach dieser Gemeinde ans Südtirol und ist also italienisch.

00:15:55: Das war nicht immer so.

00:15:57: Südtiral war ja bis Bestandteil von Österreich-Ungarn gehörte also zu Österreich, aber es ist kein Sprachschnitt.

00:16:10: Beziehungsweise wenn man von der deutschen Schweiz herkommt wird auf der anderen Seite wieder Deutsch gesprochen was hier im Münstertal nicht der Fall ist.

00:16:21: Hier ist das romanisch eigentlich die Sprache auch wenn Praktisch alle mittlerweile Deutsch sprechen, viele auch Italienisch.

00:16:32: Auch die Münztertaler sind sehr sprachbegabt.

00:16:35: Müssen sie auch, wenn Sie sich mit vielen Menschen unterhalten wollen?

00:16:40: Es gibt es sonst noch zu sagen über das Kloster, das Walmist-Eier vielleicht so generell über den Kanton Graubünden und die Bedeutung des Klosers für Kantonschweizer Eigenossenschaft.

00:16:53: Ich finde es bemerkenswert der Kanton Graubünden über ein solches Kulturdenkmal verfügt, eines allerwichtigsten vielleicht sogar das Wichtigste würde ich mal behaupten.

00:17:08: Ich habe einen ETH-Professor, ein Mittelalter Archäologen noch kennenlernen dürfen.

00:17:15: Er lebt noch hochbetagt.

00:17:17: Hans Rudolf Senhauser hat jahrzehntelang hier an diesem Closter geforscht.

00:17:22: das hat ihn unglaublich fasziniert.

00:17:24: er hat auch sehr viel wertvolles herausgefunden und ich habe mich oft mit ihm unterhalten über seine Erkenntnisse.

00:17:33: also es ist auch eine erste Klassiker Forschungsplatz mit den üblichen Problemen, dass halt manchmal das Geld fehlt um wirklich dann genügend in die Tiefe zu gehen und wirklich alles abzuklären was man gerne abklären möchte.

00:17:49: Lieber Christoph ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen.

00:17:51: Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit wünsche ich Ihnen ein wunderschönes Wochenende einen schönen Samstag bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily spezial und freuen bis zum nächstem mal bei den Meilensteinen der Schweizer Geschichte.

00:18:02: vielen herzigen Dank.

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